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Hinweis
4.2013




Küsnacht : Jürg Hassler


von: Madeleine Panchaud de Bottens

  
links: Jürg Hassler · Ordentliche Trümmer, 2013, Marmor, 60x60x60 cm
rechts: Jürg Hassler · Wolken Volcano, 2013, Granit, 80x250 cm


Nach der von Guido Magnaguagno 2008/2009 im Museum Tinguely kuratierten Ausstellung ‹mattomatt - Schachobjekte von Jürg Hassler› lädt nun die Galerie im Höchhuus zum Spiel und Entdecken der ‹Ordentlichen Trümmer› ein. Ist es verwunderlich, dass Jürg Hassler (*1938, Zürich) der Einfall zu seinen mobilen Skulpturen beim wöchentlichen Pendeln auf der Autobahn RN 19 zwischen Zürich und Paris kam, unterwegs auf nächtlichem Imaginationstrip im Jahr 2000, gleichsam selbst ein Läufer auf einer Schachbrettbahn? Schach! Fantasie und die Lust am Spiel brachten Objekte aus Marmor, Holz, Sand, Knochen, Metall und Rebstöcken hervor: Schach auf dem gewölbten Panzer einer hölzernen Schildkröte, Schach auf einer Ravioli-Walze in Form eines zusammengerollten Igels. Ein Schach genannt ‹Mekka›, 2005, radial gegliedert, schwarz, mit zweiunddreissig winzigen, stets zur Mitte hin ausgerichteten Gebetsteppichen unter den Spielsteinen. Schach namens ‹UNO›, 2008, das sich mit Gitterstruktur oder «normal» spielen lässt. Unter Beibehaltung der klassischen Schachregeln sprengt Hassler alle Grenzen des klassischen Schachspiels und verwandelt die Figuren in eigene Chiffren. So entstehen filigrane, innig verschachtelte, verwirrende und wuchtige Skulpturen auf Sockeln oder als schräg montierte Wandreliefs. Das Spielbrett wird zur Hügellandschaft, zum verborgenen See, zum gefährlichen Floss. 32 Figuren auf 64 Feldern zwischen Ordnung und Chaos. Wer ist Spieler, mit wem wird gespielt? Die Schachfiguren von ‹Versandung›, 2007, sind ephemere kaligrafische Zeichen auf der mit rotem Sand berieselten Schieferplatte, die beim Spiel verwischt und neu notiert werden. In ‹Armada›, 2006, stechen Schiffe diagonal übers himmelblaue Meer aus einer Azul Macaubas-Steinplatte. Das steinerne Spielbrett von ‹Ordentliche Trümmer›, 2013, lenkt mit geheimnisvollen Rillen vom konzentrierten Spiel ab.
Überhaupt - die Ablenkung in den Hasslerschen Schachspielen! ‹Zen›, 2003, aus exotischem Holz, verführt dazu, sich ganz in die Gestaltung eines ästhetischen Bildes zu verlieren, statt an den nächsten Zug zu denken. Hassler: «Der Gewinn liegt jetzt nicht mehr im Ende der Partie, sondern im Weg, d.h. im Aufeinanderprallen der skulptural so konzipierten Figuren, dass ein scheinbar wirres Chaos entsteht. (...) Es setzt vielmehr eine Verinnerlichung frei, ein ästhetisches Erleben, einen Mut, ja Übermut, wie beim Kind in seinen ersten elementaren Entdeckungen.» Die Titel der Schachobjekte erzählen von Weltoffenheit und Engagement. Hassler, der seinen Weg als Schüler von Hans Josephsohn begann und sich später der Fotografie und dem Dokumentarfilm (‹Krawall›, 1970) widmete, baut seit dreizehn Jahren ein faszinierendes Spätwerk, ein königliches Spieluniversum - Symbol für die Komplexität unserer Welt.

Bis: 21.04.2013



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Ausgabe 4  2013
Ausstellungen Jürg Hassler [22.03.13-21.04.13]
Institutionen Galerie im Höchhuus [Küsnacht/Schweiz]
Autor/in Madeleine Panchaud de Bottens
Künstler/in Jürg Hassler
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