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4.2013




Linz : Renée Magaña


von: Sarah Merten

  
Renée Magaña, Abstract Corporeal Thoughts Nr. 55, 2013, Installationsansicht, OK Offenes Kulturhaus Oberösterreich


Die Ausstellungsreihe NOMAD bringt als Plattform für raumspezifische Kunst ausgewählte Orte und Kunstschaffende passgenau zusammen - wie die aktuelle Intervention mit der Künstlerin Renée Magaña im OK Offenes Kulturhaus in Linz zeigt. Damit es jeweils dazu kommt, ist eine gute Portion Magie notwendig.
«Es ist nicht so, dass ich aktiv auf der Suche nach einem geeigneten Ort für eine bestimmte Person bin. Vielmehr stolpere ich über Orte und Räume, die Besitz von mir ergreifen und ich denke: Hier muss etwas passieren», sagt Alain Jenzer (*1974), Künstler und Initiator von NOMAD. Es sei die Magie des Augenblicks, wenn ihm ein Ort sozusagen vor die Füsse falle und er sich dabei unweigerlich an eine spezifische künstlerische Position erinnere. Jenzer ist viel unterwegs, geeignete Plätze für Interventionen findet er in diversen urbanen Räumen, nicht nur in seiner Heimatstadt Bern. Vormals in Basel, Prag und Rom, nun in Linz - als ihm während eines Atelieraufenthaltes in der Donaustadt der Lastenlift des dortigen Kulturzentrums auffiel und er unweigerlich an die Arbeiten der Berner Malerin Renée Magaña (*1970) denken musste.
Jenzers aufgespürte Orte weisen allesamt das Potential auf, die räumliche Entsprechung des dafür jeweils ausgesuchten künstlerischen Werks zu sein. Durch den Eingriff werden sie zu einem Bestandteil des Werks und damit in ungewohnter Form erlebbar. Gleichzeitig wird das Werk durch die Überführung in den Raum körperlicher. Renée Magañas Arbeiten bringen dafür die besten Voraussetzungen mit. Ihre aktuelle Werkserie ‹Abstract Corporeal Thoughts› (ab 2011) dreht sich um malerische Begegnungen mit dem Körper, allerdings nicht im Sinne der Abbildung, sondern vielmehr als Befragung von Körperbildung. Im Lastenlift des OK hat Renée Magaña eine räumliche Wandmalerei geschaffen, die - der Funktion des Fahrstuhls ähnlich - die ursprüngliche Raumdimension spürbar zu überwinden vermag. Aus dem nachtschwarzen Grund erheben sich weissleuchtend skelettartige Fragmente und fügen sich zu einem gleichermassen ornamentalen wie figurativen Gebilde knöcherner Strukturen. Die Auswüchse dehnen sich durch eine Öffnung an der Rückwand in eine angrenzende Sphäre, doch dem Versuch, in das Dahinterliegende zu greifen, hält ein undurchdringbarer Spiegel stand. Die Illusion ist derart perfekt, dass es selbst ihrer Entlarvung nicht gelingt, die beidseitige Raumempfindung zu schwächen. Stattdessen schwebt die eigene Präsenz nach wie vor in einem ungewissen Zustand ahnungsvoller Zwischenwelten.
Der Zeitpunkt der nächsten NOMAD-Intervention in der Schweiz ist noch unbestimmt, obgleich Ort und Person bereits feststehen.
Es sind - wie so oft - die logistischen Faktoren, die für ein gutes Gelingen ein zusätzliches Quäntchen Magie benötigen.

Bis: 28.04.2013



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Ausgabe 4  2013
Ausstellungen Renée Magaña [05.03.13-28.04.13]
Institutionen Im OÖ Kulturquartier [Linz/Österreich]
Autor/in Sarah Merten
Künstler/in Renée Magaña
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