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Hinweis
4.2013




Muttenz : Lydia Gifford


von: Françoise Theis

  
Lydia Gifford · Siding, 2013, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland


Was kann ich selbst umspannen? Was kann ich selbst tragen, platzieren, hängen? Wenn die in London lebende Lydia Gifford (*1979) über ihre Arbeiten spricht, beantwortet sie diese für sie grundlegenden Fragen ihres künstlerischen Schaffens mit ihrer Gestik körperlich. Gifford bezeichnet sich selbst als Malerin, um das Herstellen von Bildern geht es ihr dabei aber nicht. Ausgehen tut sie vom Trägermaterial. Sie verwendet vorgefundene Holzplatten und -latten und auch Keilrahmen. Selbst umspannt sie ihre Träger mit Baumwolltuch oder Leinwand und geht hier schon skulptural vor: Die Ummantelung des Trägers weist Wülste und Falten auf. Die Künstlerin packt ihre Malträger buchstäblich ein und stellt nicht vorderhand eine Malfläche her. Der Auftrag der Farbe geschieht durch Schichten und Formen von Material, welches Gifford selbst aus Ölfarbe, Pigmenten, Kreide, Bienenwachs oder Ton herstellt.
Die Ausstellungsinstallation zeigt, dass Gifford keine Angst vor schwierigen oder herausfordernden Räumen hat. Der Eingangsbereich, der gleichzeitig Ausstellungsfläche ist, erstreckt sich direkt von der Eingangstür hin zur breiten Treppe, die ins dunkle Untergeschoss des Hauses führt. Hier stellt Gifford Objekte auf, die aus verschiedenen Trägern zusammengefügt sind. Diese versperren weder den Durchgang noch können sie übersehen werden. Denn physische Präsenz - der Werke, der Künstlerin und des Publikums - ist der spürbare Leitfaden im Werk von Lydia Gifford. Und sie versteht es, zwischen Objekten und Wandarbeiten einen (Beziehungs-) Ort zu schaffen, wo keiner war.
Auch der vierzig Meter lange Raum mit parallel zur Längswand verlaufender Fensterfront ist nicht einfach zu bespielen. Für diesen hat Gifford einen regelrechten Haufen von handlichen, in verschiedenen Beigetönen bemalten Brettern mitgebracht. Aus diesem schafft sie vor Ort mit ‹Siding›, dem titelgebenden Werk der Ausstellung, eine rhythmische Wandkomposition, die durch den Raum leitet, klingt und auf verschiedene Arten lesbar ist.
Werke der britischen Künstlerin waren bisher in der Schweiz an den Art Statements 2011 und 2012 in der Galerie BolteLang, Zürich zu sehen. Das Kunsthaus Baselland richtet nun die erste institutionelle Einzelausstellung aus. Auf ihr weiteres Schaffen kann man gespannt sein, denn Lydia Gifford ist eine junge Künstlerin, die genau weiss, was sie will und was sie kann, und dies auch macht.

Bis: 31.03.2013



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Ausgabe 4  2013
Ausstellungen Lydia Gifford, Jan Kiefer, Renatus Zürcher [02.02.12-31.03.13]
Institutionen Kunsthaus Baselland [Basel/Muttenz/Schweiz]
Autor/in Françoise Theis
Künstler/in Lydia Gifford
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