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Hinweis
4.2013




Paris : Walid Raad


von: J. Emil Sennewald

  
Walid Raad · Préface à la troisième édition: Reliure, 2013, Courtesy Hughes Dubois


Samstag nachmittags im Louvre, ­draussen Regen - unmittelbar wird klar, weshalb dieses Museum Filialen eröffnet: Das Publikum überrennt das Mutterhaus und drängt in den ‹Salle de la Maquette›. Überall gross angekündigt, enttäuscht Walid Raads Intervention visuell und ästhetisch. Ratlos betrachten die Besucher/innen die Schatten von Durchgängen, von Architekturen, die angeleuchtete geometrische Schablonen zeichnen. Über dem Eingang changiert ein rot-bläuliches Video, wie geschichtete Arabesken. Kaum einer liest den Text, der erklärt, dass für Raad mit diesem ‹Préface à la première édition› eine dreijährige Auseinandersetzung mit der Kulturpolitik des Louvre beginnt. Das Video zeigt Schatten aller orientalischen Werke, die in den Louvre Abu Dhabi ausgeliehen werden. Was bedeutet es, wenn Menschen dort Objekte ihrer Kultur wiederfinden? Museen dienen der Erinnerung, konservieren. Was, wenn das Bewahrte zum Fetisch wird? Raad will auf notwendig aktive Erinnerungsarbeit, lebendige Tradition verweisen. Das tut er zu schüchtern. Gleichgültig, manchmal kopfschüttelnd verlässt das Publikum den Saal, um die Schätze der Islamkunst im neuen Flügel des Museums zu bestaunen. Raad will genau auf diese Spektakel-Gewohnheit hinweisen, auf Identitätsbildung mit Kunst. Leider merkt es keiner.

Bis: 08.04.2013



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Ausgabe 4  2013
Ausstellungen Walid Raad [19.01.13-08.04.13]
Institutionen Musée du Louvre [Paris/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
Künstler/in Walid Raad
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