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4.2013




Stuttgart : Fluxus


von: Hans-Dieter Fronz

  
links: Ben Vautier · Drink to forget art, 1971, beschriftet in roter Farbe, 37x57,7x6,8 cm (Tablett); 33,1x8,6x8,6 cm (Flasche), Bez. auf der ­Tablettunterseite in schwarzem Filzstift: for Sohm / Ben 1971, Staatsgalerie Stuttgart, Archiv Sohm © ProLitteris
rechts: Ben Vautier · Total Art Match-Box, 1965, mit einem gedruckten Etikett beklebte Streichholzschachtel, 3,2x5,3x1,2 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Archiv Sohm ©ProLitteris


«drink to forget art» fordert in roter Schreibschrift ein Tablett mit einer Flasche Hochprozentigem die Ausstellungsbesuchenden auf. Der antikünstlerische Gestus war bei Fluxus von Anbeginn zentral. Für herkömmliche Kunst hatte man in der Bewegung nur Spott und Hohn - oder eine Packung Streichhölzer. Noch radikaler als in der Schnaps-Version formuliert Ben Vautier seine Aversion gegen das ganze Gehabe mit der Kunst in einer Matchbox, versehen mit der auch orthografisch bedenklichen Aufschrift: «Use these matchs to destroy all Art Museums, Art Library's, Ready-Mades» etc. Das letzte Streichholz war für die Streichholzschachtel selbst bestimmt.
Beide (Anti-)Kunstwerke sind in einer Austellung der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen, deren Anlass ein wichtiges Jubiläum ist. Im September 1962 fanden im Städtischen Museum Wiesbaden die ‹Fluxus Festspiele für Neueste Kunst› statt - ein Ereignis, das als Geburtsstunde der Kunstrichtung gilt. ‹Fluxus!› mit Ausrufezeichen: Ausgestellt sind mehr als vierhundert Objekte, Installationen, Fotografien, Filme, Künstlerbücher, Plakate und Archivalien aus der hochkarätigen Fluxus-Sammlung der Staatsgalerie. Ihren Grundstock bildet Hanns Sohms 1981 erworbene Fluxus-Kollektion. Von George Brecht und Robert Filiou über Dick Higgins bis zu Dieter Roth oder Wolf Vostell vereint die Schau alle wichtigen Vertreter mit teils zahlreichen Werken: Allein George Maciunas etwa, Initiator der Strömung, ist mit 125 Arbeiten vertreten.
Fluxus suchte die Grenzen der Kunst zum Alltag hin zu verwischen. Als eine Art Lebens-Mittel sollte Kunst gewissermassen im Alltag aufgehen. Doch scheiterte Fluxus am Ende mit seiner antikünstlerischen Haltung und dem Versuch, dem Feld der Kunst ins Leben zu entrinnen - notwendig, möchte man rückblickend sagen.
Die antikünstlerische Attitüde gerann ihrerseits zu Kunst, und längst ist Fluxus, wie nicht zuletzt diese Ausstellung beweist, museumsreif: Teil der Kunstgeschichte und doch nicht Vergangenheit, denn die revolutionären Neuerungen von Fluxus wirken bis in die Gegenwart.

Bis: 28.04.2013



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Ausgabe 4  2013
Ausstellungen Fluxus! [01.12.12-28.04.13]
Institutionen Staatsgalerie Stuttgart [Stuttgart/Deutschland]
Autor/in Hans-Dieter Fronz
Künstler/in Ben Vautier
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