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4.2013




Winterthur : Georges Rouault


von: Lucia Angela Cavegn

  
links: Rouault, Georges · Fille de cirque,1902, Pastell und Aquarell auf Papier ©ProLitteris. Foto: Reto Pedrini
rechts: Rouault, Georges · Autoportrait, 1926, Lithographie ©ProLitteris. Foto: Reto Pedrini


Die Villa Flora assoziiert man für gewöhnlich mit Künstlernamen wie Bonnard, Vuillard und Vallotton. Weniger bekannt ist, dass das Sammlerehepaar Hahnloser auch Werke von Georges Rouault (1871-1958) sammelte. 1919 besuchte es den umstrittenen Künstler in Paris. Spätestens seit seiner Teilnahme an der Armory Show in New York 1913 stiess dieser mit seinem sozialkritischen Werk auf reges Interesse. «Für Rouault ist die Menschheit ein Gewimmel von Jammergestalten und Krüppeln, Verdammten», schrieb 1911 der Kunstkritiker Louis Vauxcelles. Die Sammler aus Winterthur liessen sich von der düsteren Thematik nicht abschrecken und erwarben bereits bei ihrem ersten Besuch ein Konvolut an frühen Arbeiten auf Papier wie ‹Le Père X›, 1911, oder ‹Fille de cirque›, 1902. Keinen Gefallen an den Verkäufen aus dem Atelier dürfte der Galerist Ambroise Vollard gehabt haben; vermutlich auf sein Betreiben hin brach Rouault im Sommer 1920 den Kontakt zu Hahnlosers ab. Diese kauften später noch Lithografien wie das ‹Autoportrait› von 1926, aber zu einer persönlichen Begegnung kam es erst wieder 1948 anlässlich Rouaults grosser Retrospektive im Kunsthaus Zürich. Der Künstler besuchte Hedy Hahnloser in Winterthur. Arthur war bereits 1936 verstorben, Vollard 1939. Im Prozess gegen dessen Erben verbrannte Rouault 315 zurückgegebene, darunter viele frühe Werke vor dem Gerichtsvollzieher.
Rouault war seinerzeit nicht nur hinsichtlich seiner experimentellen, heute so fragilen Maltechnik eine singuläre Erscheinung. Seine Bilder sind Ausdruck einer ausserordentlich tiefen Religiosität. Rouault stellt die zentrale Frage nach dem Menschsein bzw. der Erlösung. Er zeigt den Künstler in der Rolle des unverstandenen Narren, der die Wahrheit sagt und dafür ans Kreuz genagelt wird. Seit 1997 waren seine eindringlichen Bilder von traurigen Clowns, derben Dirnen, zwielichtigen Richtern und Christus am Kreuz nicht mehr in der Schweiz zu sehen.
Mit dem Bestand an frühen Werken der ehemaligen Sammlung Hahnloser und bedeutenden Leihgaben aus dem Kunsthaus Zürich und der Stiftung Im Obersteg (Depositum im Kunstmuseum Basel) sowie dem Dokumentationsfilm zur berühmten Grafikserie ‹Miserere› aus der Fondation Georges Rouault in Paris ist in der Villa Flora eine erlesene Ausstellung zustande gekommen, die mit animierten Zeichnungen von Peter Radelfinger humorvoll aufgelockert wird.

Bis: 07.04.2013



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Ausgabe 4  2013
Ausstellungen Georges Rouault [16.11.12-07.04.13]
Institutionen Villa Flora [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Lucia Angela Cavegn
Künstler/in Georges Rouault
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