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Besprechung
5.2013


Alice Henkes :  In seiner ersten grossen Einzelausstellung in der Deutschschweiz hat Alexandre Joly (*1977) eine Landschaft aus Klang­installationen und Objekten eingerichtet, die mit eindrucksvollen Raumbildern Reflexionen zu Natur und Künstlichkeit anregt.


Langenthal : Alexandre Joly, ‹Silent Movements›


  
Alexandre Joly · Les Montagnes silencieuses, 2013. Foto: Martina Flury Witschi


Landschaften in der Kunst sind im Allgemeinen weniger Darstellungen der Natur als vielmehr Resonanzräume desjenigen, der sie betrachtet, der seine Gedanken in sie hineinträgt und dabei möglicherweise mit neuen Gedanken von diesem virtuellen Spaziergang zurückkehrt. Eine solche Landschaft, in der man sich denkend und empfindend ergehen kann, voller Anregungen und Anspielungen, hat der Genfer Künstler Alexandre Joly im Kunsthaus Langenthal eingerichtet. Den langen Flur in der ersten Etage verwandelt er mit blauen Stoffbahnen in einen hellen Strom, der daran erinnert, dass unter diesem Korridor das Flüsschen Langete fliesst. Die blauen Vorhänge, die Wände und Türen verhüllen, erzeugen zudem eine leicht theatrale Spannung, zumal hinter dem Stoff, gleichsam in den Kulissen, allerlei Sounds und Geräusche hörbar sind. Der Spaziergang, zu dem Alexandre Joly einlädt, führt weit über die sichtbare Natur hinaus, ohne dabei spirituelle Behauptungen aufzustellen.
In den Räumen, die zu Seitenpfaden werden, gestaltet Joly so eindringliche wie vieldeutige Bilder. In einem Zen-Garten mit Hügeln aus verstummten Glöckchen, ­deren Schlegel durch einen Magneten gebannt sind, inszeniert er den Gegensatz von Stille und Klang, von Bewegung und Stillstand. ‹Les montagnes silencieuses›, 2013, spielt aber auch auf ein weiteres wichtiges Thema in Jolys Arbeit an: das Verhältnis von Natur und Künstlichkeit, hier in die Form eines strengen, aus leblosen Mate­rialien gestalteten Gartens gebracht. Eine tiefe, meditative Stille scheint auch über dem Brunnen der Installation ‹Absolute Sine›, 2012, zu liegen. Das schwarze Wasser liegt glatt wie ein Spiegel im Brunnenrund, das an das Eintauchen in eine andere Welt denken lässt, wie es im Märchen von Frau Holle geschildert wird. Doch so still, wie er scheinen mag, ist Jolys Brunnen nicht. Kräuselmuster zittern immer wieder über die Wasseroberfläche, ausgelöst durch Tonfrequenzen ausserhalb des menschlichen Hörbereiches. Die Stille, die man zu spüren meint, ist mithin eine sehr ­relative.
Neben Wasser und Bergen sind Tannen ein wichtiges Motiv, das Joly häufig nutzt. Mit ‹La Grande Réunion›, 2013, hat er einen ganzen Wald stilisierter, aus Styropor geschnitzter Tannen geschaffen, deren Künstlichkeit er oft noch durch Lackierungen in Weiss- und Metallictönen unterstreicht. Trotz dieser expliziten Naturferne der Materialien erzeugen die seltsamen, bronzeglänzenden Baumsilhouetten eine sanfte Märchenwaldstimmung, die tief in das Denken führen kann.

Bis: 05.05.2013



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Ausgabe 5  2013
Ausstellungen Alexandre Joly, Robert Müller [21.02.13-05.05.13]
Institutionen Kunsthaus Langenthal [Langenthal/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Alexandre Joly
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