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Besprechung
5.2013


Roberta, De Righi :  Von der ‹Freedom Charter› zur ‹Struggle Photography›: Die Kuratoren Okwui Enwezor und Rory Bester wollen zeigen, dass die Kamera ein wirkmächtiges Werkzeug war, mit deren Hilfe die Schwarzen aus der Opferrolle herauskamen und die internationale Ächtung der südafrikanischen Apartheid-Politik bewirkten.


München : Aufstieg und Fall der Apartheid


  
Eli Weinberg · Volksmenge in der Nähe der Drill Hall am Eröffnungstag des Landesverratsprozesses in Johannesburg, 19. Dezember 1956, Times Media Collection, Museum Africa, Johannesburg


Der sterbende Schüler Hector Peterson 1976 in den Armen eines Freundes und seine weinende Schwester, Nelson Mandela mit gereckter Faust und seine Frau Winnie am Tag seiner Freilassung 1990. Ikonische Bilder wie diese haben die Rassentrennung in Südafrika weltweit sichtbar gemacht. Im Fokus der Schau stehen aber nicht spektakuläre Szenen, sondern Bürokratie und Alltag seit dem Wahlsieg der weissen ‹National Party› 1948 bis zu den ersten freien Wahlen 1994. Die Präsentation ist eine Geschichtsstunde in Bildern - sehr differenziert gedeutet vom ersten bis zum letzten der rund 600 Foto- und Filmdokumente. Der Kampf gegen die Apartheid war auch ein Krieg der Bilder: Hier die Propaganda der Buren, die sich als «gütig und zivilisierend» darstellten, dort die Beweise ihrer Brutalität. Engagierte Fotografen wie Peter Magubane und Sam Nzima, später die Mitglieder der Agentur ‹Afrapix› und des ‹Bang Bang Club› waren keine neutralen Beobachter, dennoch arbeiteten sie streng dokumentarisch, dramatisierten nicht. Die Wirklichkeit war schlimm genug.
Die Aufnahmen des ‹Sharpeville-Massaker› von 1960 erklären fast von selbst, warum das die Wende zum bewaffneten Kampf war. 69 Protestierende starben bei einer friedlichen Demonstration gegen die schikanösen Passgesetze. Die Fotos sind ein stummer Aufschrei, sie zeigen fallende Menschen und leblose Körper im hohen Gras. Zuvor war der gestreckte Daumen Symbol gewaltfreien Widerstands, danach galt die gereckte Faust als Ausdruck der «Black Power». Die Schau lässt sich als Chronik der Eskalation lesen, die mit zivilem Ungehorsam der ‹Black-Sash›-Frauenbewegung und der ‹Verweigerungskampagne› gegen die Rassengesetze begann. Sie verdeutlicht aber auch die Bedingungen, die dazu führten - wie die Zwangsumsiedlungen in Townships und Homelands. Es gibt leise, vielsagende Strassenszenen, Ernest Coles Dokumentation der Rassentrennung in Verbotsschildern, David Goldblatts Foto-Reportagen. Oder Bilder einer selbstbewussten urbanen, schwarzen Kultur, wie sie in der Zeitschrift ‹Drum› verbreitet wurden, und künstlerische Auseinandersetzungen in William Kentridges Zeichentrickfilmen oder Hans Haackes Polit-Kunst.
Die Ausstellung endet nicht mit dem Triumphzug Mandelas ins Stadion von Soweto, sondern führt vor Augen, dass der Bürgerkrieg 1990 nicht zu Ende war, sondern allein zwischen 1990 und 1994 weitere 14000 Todesopfer forderte, sowie beklemmende Eindrücke aus dem immer noch zerrissenen Land am Kap.

Bis: 26.05.2013



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Ausgabe 5  2013
Ausstellungen Aufstieg und Fall der Apartheid [15.02.13-26.05.13]
Institutionen Haus der Kunst München [München/Deutschland]
Autor/in Roberta, De Righi
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