Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
5.2013


Anna Francke :  Die Eingriffe von Michael Meier & Christoph Franz drehen sich um Orte, deren Geschichte und Geschichten sowie deren mögliche Zukunft. In ihrer ersten grossen Einzelausstellung setzen sie bei architektonischen oder städtebaulichen Übergängen an und knüpfen ein vielschichtiges Netz von Referenzen.


Olten : Michael Meier & Christoph Franz, ‹Aufmachen? Aufmachen!›


  
Michael Meier & Christoph Franz · Aufmachen? Aufmachen!, 2013, Ausstellungsansichten Kunst­museum Olten. Foto: Gunnar Meier


Im Kunstmuseum Olten ist derzeit alles etwas anders. Schon vor dem Haupteingang, den ein Metallgitter versperrt, wird klar, dass der Weg über eine behelfsmäs-sige Holztreppe durch ein Fenster der bessere ist. Und schon strömt einem im ersten Ausstellungsraum warme Luft von skulptural arrangierten Gebläsen entgegen.
Dieser Auftakt ist bezeichnend für den Ausstellungsparcours des seit 2007 zusammen arbeitenden, in Zürich lebenden Duos Michael Meier (*1980) und Christoph Franz (*1982). Die einstige Funktion des Gebäudes als Modegeschäft Kleider Frey dient dabei als konzeptueller Ausgangspunkt. Auf architektonische Konventionen von Warenhäusern verweisen denn auch Temperaturschleuse und Rollgitter. Und wenn das rückseitige Parkareal durch eine ins Foyer ragende, modellhafte, aber befahrbare Garage aus Pressspanholz in den Ausstellungsraum erweitert wird, kommen das Thema Konsum und sein Einfluss auf die Infrastruktur zeitgenössischer Innenstädte erneut ins Spiel. Kleider Frey hat inzwischen auch die Produktionsstätte im nahen Wangen aufgegeben - möglicherweise soll sie dereinst eine Brauerei beherbergen. Für die Künstler Grund genug, im Obergeschoss des Kunstmuseums eine Art Labor zu installieren, um einige Harasse ‹Bier Frey› zu brauen oder anlässlich ihrer öffentlichen Oltener Bustour zwei ehemalige Näherinnen in die leerstehende Fabrik einzuladen, um von ihrem einstigen Arbeitsort zu berichten.
Zwischenräume, Übergänge und Auflösungsprozesse vermeintlich fester Strukturen sind bezeichnend für die ortsspezifischen Eingriffe von Meier & Franz. Auch in der kürzlich im Zürcher EWZ installierten Feuertreppe oder einer ausrangierten ‹Tankstelle›, 2012, verschränken sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Modell und funktionaler Einbau, materielle Präsenz und Leerstellen, Ausstellungsraum und Realität, lokale Geschichte und globale Entwicklungen. Ihre urbanismuskritischen Aneignungsverfahren erinnern dabei an situationistische Strategien wie Zweckentfremdung oder Umherschweifen. Im gekonnten temporären Gesamteingriff wird das Kunstmuseum Olten als «funktionaler Ort»1 verstanden, an dem über physische ­Aspekte hinaus vorübergehend Veränderungen und Bewegungen ausgelöst werden und eine Pluralität von Bedeutungen möglich wird. Anna Francke
1 Vgl. James Meyer, Der funktionale Ort, in: Platzwechsel, Kat. Ausst. Kunsthalle Zürich 1995, hrsg. v. Ursula Biemann, Tom Burr, Mark Dion u.a., Zürich 1995, S. 24-39.


Bis: 05.05.2013



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 5  2013
Ausstellungen Christoph Franz, Michael Meier [17.02.13-05.05.13]
Institutionen Kunstmuseum Olten [Olten/Schweiz]
Autor/in Anna Francke
Künstler/in Michael Meier
Künstler/in Christoph Franz
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=130424214840HTI-14
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.