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Besprechung
5.2013


Brita Polzer :  Sollten Dinge, die künstlich erzeugt werden, die man quasi durch Knopfdruck produziert, nicht kalt und technisch wirken? Sollte ihnen das Lebensferne und Künstliche nicht unmittelbar eingeschrieben sein? Stattdessen wirken die 3D-Produkte eigenartig organisch und fast wie gewachsen.


Zürich : 3D - Dreidimensionale Dinge drucken


  
links: Johanna Spath & Johannes Tsopanides · Cloudspeaker, Material: SLS/Polyamid, 2008
rechts: Platform Studio · Fraktaler Tisch (Detail), Stereolithografie, 2008, Hersteller: Module. MGX by ­Materiali­se, BE, ©Xavi Padrós


Sehr bald, schon in fünf bis zehn Jahren, könne unser Leben entscheidend verändert sein, heisst es bei der 3D-Eröffnung, sehr schnell werde die neue Produktions-Technik unseren Alltag gravierend verändern. In Zukunft könnten wir dann mit leichtem Gepäck verreisen, die passende Badehose würde vor Ort im Hotel ausgedruckt. Tatsächlich zeigt die Ausstellung zwar keine Badeutensilien, aber doch vielfältige Dinge, die nicht mehr gehämmert, geschweisst oder gegossen, sondern Schicht um Schicht elektronisch aufgebaut wurden. Aus Sand können Architekturen oder künstliche Riffs entstehen, aus Kunststoffen Möbel und Kleidungsstücke, aus Metallen Knochenprothesen oder Flugzeugbauteile. Aus organischen Zellen stellt man bereits einen Ersatz für die seit drei Jahren verbotenen Tierversuche her, eine Art kleine Hautteile, an denen die Kosmetikindustrie laborieren kann. 3D ermöglicht es, aus Virtuellem Realität zu machen, wobei man viel Material sparen, zudem auf ganz individuelle Bedürfnisse hin arbeiten kann. Allerdings fragt sich, wie sich die neue Methode ökologisch auswirkt. Bricht ein Teil ab, muss man das Ganze ersetzen.
Die Ausstellung zeigt Arbeiten von Designern, Architektinnen, Ingenieuren, Medizinerinnen und Biologen und bietet Einblick in die neuesten Forschungen und Anwendungen, an denen die Schweiz bisher wenig beteiligt ist. Umfasst von rot gestrichenen Wänden werden die überwiegend aus weiss schimmerndem Gipspulver geschichteten 3D-Dinge präsentiert, als wolle man ihnen ein wenig Blut und Leben spenden. Dabei wirken die Gegenstände zwar äusserst künstlich, erinnern in ihrem matten weissen Glanz aber auch an Elfenbein oder Knochen. Kristalle oder die ‹Urformen der Kunst› von Karl Blossfeldt kommen in den Sinn.
Von einer Künstlerin wurde der ‹Screaning Room› gebaut. Alicia Framis (*1967, Barcelona) liess eine Zelle errichten, in der man vier Sekunden kurz schreien kann. Die Laute werden unmittelbar in druckbare Daten übersetzt und während 15 Minuten zu einem Becher produziert. Die absonderlich zackig geformten Gefässe wirken wie Psychogramme: Wer mächtigen Mut hatte, zu schreien, dessen Behältnis könnte vier Schlucke fassen, die kleinen Seufzer reichen nur für fingerhutgrosse Becher. Die Ausstellung wurde vom Disseny Hub Barcelona übernommen, Kurator/innen sind Marta Malé-Alemany mit Andres Janser. Mit Publikation.

Bis: 05.05.2013



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Ausgabe 5  2013
Ausstellungen 3D - Dreidimensionale Dinge drucken [06.02.13-05.05.13]
Institutionen Museum für Gestaltung [Zürich/Schweiz]
Autor/in Brita Polzer
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