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Besprechung
5.2013


Sonja Gasser :  Erstmals widmet eine Institution in der Schweiz einem chinesischen Künstler eine umfassende Einzelschau. Die von Beatrix Ruf und Philippe Pirotte kuratierte Ausstellung mit Arbeiten von Yang Fudong zeigen Menschen auf der Suche nach adäquaten Verhaltensweisen in einer sich rasant entwickelnden Gesellschaft.


Zürich : Yang Fudong‚ ‹Estranged Paradise - Works 1993-2013›


  
links: Yang Fudong . An Estranged Paradise (mo sheng tian tang), 1997-2002, Fünf-Kanal-Video (35mm s/w Film auf DVD), Musik Jin Wang, 76', Courtesy, Marian Goodman Gallery, New York/Paris, ShanghART Gallery, Shanghai
rechts: Yang Fudong · East of Que Village, 2007, Sechs-Kanal-Videoinstallation, s/w, Ton, 20'50', Courtesy Marian Goodman Gallery, New York/Paris; ShanghART Gallery, Shanghai


Schauplatz der frühen Fünf-Kanal-Videoarbeit in Schwarzweiss ‹I love my motherland›, 1999, sind die Strassen von Shanghai. Die Stadt befindet sich seit Jahren in einem kontinuierlichen Wandel, was in den Arbeiten des dort lebenden Yang Fudong (*1971, Peking) immer wieder zum Thema wird. In vielen seiner Filme werden die Menschen in einem prekären Verhältnis zur Umwelt und zur Natur gezeigt. So herrscht in der Installation ‹Tonight Moon›, 2000, emsiges Treiben in einem bevölkerten chinesischen Park, gleichzeitig drehen Schwimmer im Teich endlose Runden. Die Grossprojektion wird mosaikartig von kleinen Schwarzweiss-Monitoren durchbrochen, auf denen, wie auch in den davor gruppierten Farbmonitoren, weitere Handlungsstränge mit absurden Tätigkeiten und zum Leerlauf verkommenen Gesten zu sehen sind. Der Künstler interessiert sich dafür, wie die Menschen in einer Umgebung zurechtkommen oder eben gerade nicht.
Unsicherheiten und Zweifel auf der Suche nach Vorbildern und in der Beziehung zu seiner Freundin plagen auch den jungen Chinesen in ‹An Estranged Paradise›. Dieser für die documenta XI, 2002, fertiggestellte Film steht in seiner Film-Noir-Ästhetik den Schwarzweiss-Fotografien der Serie ‹Mrs. Huang at M last Night›, 2006, nahe. Junge Pärchen in festlichen Kleidern und Anzügen nach westlichem Vorbild frönen einem dekadenten Nachtleben, Limousine inklusive. Einerseits verdeutlichen solche Alltagsszenen, welche Perspektiven den materiell gut situierten Jugendlichen offenstehen, andererseits zeigen sie deren postkommunistische Orientierungslosigkeit. Auf den Gegenpol des urbanen Lebensstils verweist die Sechs-Kanal-Videoprojektion ‹East of Que Village›, 2007. Wir sehen herumstreunende Hunde in einer kargen Einöde, die sich im Kampf ums Überleben ihr Fressen suchen, und in ärmlichen Verhältnissen lebende Menschen.
Die ungewohnten Klänge und die Ästhetik wirken befremdlich, vieles bleibt in den Filmen und Fotografien rätselhaft. Die präzis inszenierten Werke und Projektionsräume des zunächst als Maler ausgebildeten, nur Chinesisch sprechenden Künstlers bieten dafür umso suggestivere Projektionsflächen, die ebensoviel offen lassen wie sie über die chinesische Kultur und - ganz generell - über die Geschichte des Films erzählen. Gerade deshalb berührt die Ausstellung und ist sehenswert.

Bis: 26.05.2013



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Ausgabe 5  2013
Ausstellungen Alejandro Cesarco, Yang Fudong [06.04.13-26.05.13]
Institutionen Kunsthalle Zürich [Zürich/Schweiz]
Autor/in Sonja Gasser
Künstler/in Yang Fudong
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