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Besprechung
5.2013


Alice Henkes :  Katja Loher serviert dem Publikum Kunstwelten im Glas. Wie die Schweizer Künstlerin dabei den Sinn für das Schöne mit einem kritischen Blick verbindet, zeigen eine kleine Werkschau im Haus für Kunst in Uri und eine Ausstellung mit neuesten Arbeiten in der Galerie Andres Thalmann in Zürich.


Zürich/Altdorf : Katja Loher


  
links: Katja Loher · Toybubble, 2011, Videoskulptur, Glas-Bubble, mundgeblasen und Videoscreen, einge­lassen in eine Acrylbox. 36x36x25 cm, Courtesy Galerie Andres Thalmann, Zürich
rechts: Katja Loher · Sculpting-in-Air-Bubble, 2011, Videoskulptur, Glas-Bubble, mundgeblasen und Video­screen, eingelassen in eine Acrylbox. 36x36x25 cm, Courtesy Galerie Andres Thalmann, Zürich


Der Blick in Katja Lohers (*1979) ‹Bubbles› erinnert an den Blick in eine Schneekugel: In raffiniert geformten Glaskugeln schweben dreidimensional wirkende Videobilder von betörender Vitalität. Eine kleine Wunderwelt öffnet sich. Tänzer bewegen sich vor farbenfrohen Videohintergründen und bilden Muster, Ornamente, Buchstaben, ja, ganze Fragen, poetische Fragen wie «What does a tree write on the leaves it offers to the wind?», angeregt von Pablo Nerudas ‹Buch der Fragen›, einer wichtigen Inspirationsquelle für Loher. Es sind Fragen, die verspielt wirken und doch ein tiefes Interesse an Mensch und Natur offenbaren.
Ganz so verhält es sich auch mit Lohers Videoskulpturen im Allgemeinen. Im ersten Moment zauberhaft leicht, ziehen sie dann ganz en passant in Reflexionen über Umwelt und Gesellschaft hinein. ‹Aggressive beauty› nennt die in New York lebende Künstlerin dieses Konzept. Dazu gehört auch die Idee der perfekten Illusion. Ihre Videos entstehen mit enormem Aufwand an Personal und Technik. In der Präsentation jedoch ist von der Technik nichts zu sehen. Beamer, Lautsprecher, Kabel, alles verschwindet im Off. Zu sehen sind nur die ‹Bubbles›, die nach ihren Entwürfen mundgeblasen werden, oder unter der Decke schwebende Videoplaneten, für die grosse Wetterballons zu Projektionsflächen werden. Dieses Unsichtbarmachen ist nicht nur ein kluger Illusionistentrick. Es ist auch eine Distanznahme zu einer uns zunehmend beherrschenden Technik. Loher thematisiert diese Kritik in Arbeiten wie ‹Toybubble›, 2011, die zwei Spielfiguren in benachbarten Gläsern zeigt, die sich wie vorprogrammiert in Loops bewegen. Doch dann entdecken sie ihr Gegenüber, werden zu fühlenden Wesen, bleiben jedoch in ihrer Spielwelt gefangen. Die Thematik erinnert an den Klassiker ‹Blade Runner›, in dem von Menschen geschaffene Replikanten menschliche Eigenschaften entwickeln und deshalb als Bedrohung wahrgenommen werden.In ihren jüngsten Arbeiten lässt die Künstlerin das Publikum an Videotischen Platz nehmen, die je für zwei Personen gedeckt sind. Gläser, Karaffe, Teller dienen als Projektionsflächen für Videos, welche die Absurditäten des Dinner-Smalltalks aufgreifen oder die Auswirkungen des Artensterbens auf unsere Ernährung.

Bis: 19.05.2013



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Ausgabe 5  2013
Ausstellungen Katja Loher, Peter Sauerer [09.03.13-19.05.13]
Video Video
Ausstellungen Katja Loher [22.03.13-11.05.13]
Institutionen Haus für Kunst Uri [Altdorf/Schweiz]
Institutionen Andres Thalmann [Zürich/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Katja Loher
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