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Besprechung
5.2013


Sonja Gasser :  Das Kunsthaus Glarus ist umgeben von viel Grün: Zwei grosse Fensterfronten öffnen den Erdgeschossraum auf der einen ­Seite zum Park hin, auf der anderen zu einem Vorgärtchen mit einigen Bäumen. Adrien Missika holt mit seinen Werken die Natur kurzerhand in die Ausstellungsräume hinein.


Glarus : Adrien Missika, ‹A Walk in the Park›


  
Adrien Missika · A Walk in the Park, 2013, Ausstellungsansicht, Kunsthaus Glarus. Foto: Gunnar Meier


In Auseinandersetzung mit dem Aussen und dem Innen, mit Natur und ­Architektur, aber auch mit Exotik und Künstlichkeit baut Adrien Missika (*1981, ­Paris) eine Parksituation im Kontext einer Ausstellung auf. Im Erdgeschoss muss, wer die auf freistehenden Ständern präsentierten Pflanzenfotografien betrachten will, verschlungene Pfade einschlagen. In den grossformatigen Abzügen sind teilweise Eingriffe des Menschen erkennbar, der versucht hat, die Natur gemäss seinen Vorstellungen zu gestalten, teilweise erheben sich im Hintergrund moderne Gebäude, die ebenfalls im Kontrast zum natürlichen Pflanzenwuchs im Vordergrund stehen. Eine Referenz auf die Architektur bilden schräg an die Wand gelehnte Fenster eines modernen Baus. Die reflektierenden Scheiben dienen als Projektionsflächen für die Präsentation weiterer Abbildungen exotischer Pflanzen.
Die Faszination für moderne Architektur und Gartengestaltung entstand durch die Beschäftigung mit dem brasilianischen Landschaftsarchitekten und Künstler ­Roberto Burle Marx (1909-1994). Während einer Reise durch Brasilien dokumentierte Adrien Missika (*1981, Paris) dessen Anlagen, wie sie sich heute präsentieren - gezeichnet von den Spuren des Zerfalls, denen nicht nur die Natur, sondern auch die Architektur ausgeliefert ist. Marx verwendete einheimische tropische Pflanzen und setzte damit in Brasilien, das bis dahin in der Folge des Kolonialismus Gärten nach europäischem Vorbild gepflegt hatte, neue Massstäbe. In Anlehnung an Marx' Gestaltungen formen im Oberlichtsaal mit exotischen Pflanzen geschwungen angelegte Rabatten einen breiten Weg, der zum musealisierten «Spaziergang im Park» einlädt. Statt Bäumen ragen drei Türme aus Bambusgerüsten mit Blumenkästen in die Höhe. Schräg an die Wand gelehnte Fenster spiegeln den Raum, sodass sich der Park optisch auf das Doppelte ausdehnt und damit noch weniger real erscheint.
Der Künstler macht deutlich, wie konstruiert Parkanlagen sind. Gleichzeitig vergrössert sich, durch die Verlagerung in das museale Umfeld, die Distanz zur unberührten Natur.

Bis: 05.05.2013



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Ausgabe 5  2013
Ausstellungen Robert Kinmont, Adrien Missika [10.02.13-05.05.13]
Video Video
Institutionen Kunsthaus Glarus [Glarus/Schweiz]
Autor/in Sonja Gasser
Künstler/in Adrien Missika
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