Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
5.2013


Cynthia Krell :  Wer verreist, bringt nicht nur Souvenirs mit, sondern auch Bilder und Erinnerungen. Nicht anders bei Ulrike Ottinger, die seit den 1970er-Jahren für ihre Film- und Fotoarbeiten in Europa, Asien und Amerika unterwegs ist. Dies vermittelt ihre eindrückliche als Bild-Raum-Collage konzipierte Schau.


Hannover : Ulrike Ottinger, ‹Weltbilder›


  
Ulrike Ottinger · Landkartenobjekt mit Zeichnungen und applizierten Postkarten III, 2011, Papier, Fotos, Postkarten, Stoffgarn, 180x180 cm


Die Künstlerin und Filmemacherin Ulrike Ottinger (*1942, Konstanz) führt in ihrer Schau geografisch weit auseinander liegende Kulturen zusammen. Im ersten Raum zieht ein Lasso schwingender mexikanischer Reiter auf einer neun Meter langen Fotowand den Blick auf sich. Davor hat Ottinger gefundene und rituelle Gegenstände zu einem transkulturellen Altar-Remix aufgebaut. An der einen Seitenwand hängen dokumentarische Fotografien: Szenen aus der Taiga von einer ‹Schamanischen Séance der Schamanin Bajar›, 1991, gepaart mit Bildern der tschechischen ‹Knochenkapelle Sedlec›, 1998 - beides mythische Szenarien, die Tod und Wiedergeburt symbolisieren. Auf der anderen Seite finden sich schwarz-weisse Einzelporträts und talismanartige Objekte mit indianischen Symbolen. Ein gewagter Kulturen-Cocktail, der jedoch ein vergleichendes Sehen ermöglicht.
Im zweiten Raum verbindet ein schwarzer Klebestreifen mit archaischen Zeichen das Altarbild mit einem horizontal präsentierten ‹Landkartenobjekt›, 2011. Gestickte Wasserwege zwischen den Kontinenten verdeutlichen den historischen Kulturtransfer und die Verwandtschaft der Kulturen. Arbeiten wie Landkarten, Fotografien, Fetisch- und Totem-Skulpturen und eine Filmmontage widmen sich der nomadischen Kultur in der Taiga. Die Werke sind symmetrisch angeordnet und strukturiert, dennoch bleibt hier die Gesamtkomposition etwas spannungslos.
Eine visuelle und semantische Verdichtung des Ausstellungstitels ‹Weltbilder› kommt vollends erst im dritten Raum zum Tragen. Den Mittelpunkt bildet hier die mehrteilige Dia-Installation ‹Bildarchive›, 2004, die durch den Einsatz von Teppichen und Kissen zum Verweilen einlädt. Ottingers seit Jahrzehnten wachsender Bilderkosmos ist thematisch nach Gruppen wie «Alltag», «Theatrum Sacrum», «Markt», «Essen», «Architektur», «Opferstätten» oder «Rituale» geordnet. Durch das Nebeneinander unterstreicht sie die anthropologischen Gemeinsamkeiten der Kulturen. Ein Blick auf ihre Künstlerbücher verdeutlicht diesen Ansatz und die konzeptuelle Verwandtschaft mit Aby Warburg. Die Schau kann als Bilderreise verstanden werden, die einen mythisch-ethnologischen mit einem selbstreflexiven Blick verbindet, ohne einen Anspruch auf wissenschaftliche Objektivität zu stellen. Zugleich funktioniert Ottingers Ausstellung wie ein Remix vorheriger Projekte und folgt konsequent einer über Jahrzehnte andauernden Werk- und Ausstellungslogik.

Bis: 20.05.2013



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 5  2013
Ausstellungen Jonas Burgert, Ulrike Ottinger [22.02.13-20.05.13]
Institutionen Kestnergesellschaft [Hannover/Deutschland]
Autor/in Cynthia Krell
Künstler/in Ulrike Ottinger
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=130424214840HTI-9
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.