Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
5.2013




München : Kendell Geers


von: Roberta, De Righi

  
links: Kendell Geers · Master Mistress of My Passion VII, 2010, Jesomite und Glas ©ProLitteris, Courtesy Gallery Rodolphe Janssen, Bruxelles. Foto: Maximilian Geuter
rechts: Kendell Geers · Self Portrait, 1995, gefundenes Objekt ©ProLitteris, gordonschachatcollection, Johannesburg. Foto: Maximilian Geuter


Klingendraht ist eine perfide Erfindung. Die mit Widerhaken versehenen Klingen verursachen schlimmere Verletzungen als Stacheldraht. In Europa heisst er auch ‹NATO-Draht›, die Alte Welt schreckt damit an Flughäfen und Aussengrenzen Eindringlinge ab. In Südafrika wurde er, so Kendell Geers, während der Apartheid ‹als Waffe› verwendet. Einer der weltgrössten Hersteller von ‹Razor Wire› sitzt in Südafrika.
Darum spielt Klingendraht im Werk des südafrikanischen Künstlers eine wichtige Rolle. Und darum möchte man in seiner Schau im Münchner Haus der Kunst auf keinen Fall stolpern: Die Raum-Installation ‹PostPunkPaganPo›, 2008, ist ein Labyrinth aus Klingendraht-Wänden und mit verspiegeltem Boden ästhetisch und gefährlich.
Derart in sich widersprüchlich ist vieles in seinem Werk. Der erste Komplex der Ausstellung zeigt Geers' politische Kunst zwischen 1988 und 2000, darunter einen Ziegelstein, beklebt mit der Zeitungsmeldung über eine Familie aus dem Township, die beim Versuch, ihre Hütte mittels eines erhitzten Ziegelsteins zu wärmen, erstickt ist.
Das Selbstporträt von 1995 besteht aus dem
abgebrochenen Hals einer Heineken-Flasche, die auf die gebrochene Identität als weisser Afrikaner verweist. Geers, der seine Kunst-Biographie mit der Landung des Niederländers Jan van Riebeeck 1652 am Kap beginnen lässt, ist offiziell 1967 geboren und Bure. Als Jugendlicher wurde er zum militanten Aktivisten gegen die Apartheid, später zum engagierten Künstler, der sich auf Duchamp und Carl André bezieht und Readymades und Fundstücke - Geers nennt sie ‹Lost Objects› - für politische Statements nutzt.
Kendell Geers ist ein Charismatiker, der beredt über sein Werk und den Zustand der Welt sprechen kann. Im zweiten Teil (2000-2012) erfindet sich der Künstler mit alten Motiven und neuen Maximen neu. Nach dem Ende der Apartheid wird Geers, dessen Eltern Zeugen Jehovas waren, zum Prediger manch schlichter Botschaft: ‹Believe› steht in grossen Lettern an die letzte Wand geschrieben. Ausserdem präsentiert er einen mit Scherben gespickten Obelisk, betende Hände in Handschellen, eine Kopie der Nike von Samothrake, hundertfach beschrieben mit dem Wort ‹Fuck›, einen Nilpferd-Schädel auf Europaletten und einen Totenkopf mit geknickten Bierdeckeln in den Augenhöhlen. Das alles ist schwer symbolisch - ‹echte Männer-Kunst›, möchte man am Ende seufzen.

Bis: 12.05.2013



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 5  2013
Ausstellungen Kendell Geers [01.02.13-12.05.13]
Institutionen Haus der Kunst München [München/Deutschland]
Autor/in Roberta, De Righi
Künstler/in Kendell Geers
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=130424221958OTA-31
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.