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5.2013




Rapperswil/Jona : Ilona Rüegg


von: Dominique von Burg

  
links: Ilona Rüegg · Drop out - Eleven 22, 2012. 2 Rahmenelemente und 2 Akustik-Wand­paneele von USM Haller. Plexiglas, roher Filz, Aluminium, 200x870x50 cm. Courtesy Galerie Mark Müller
rechts: Ilona Rüegg · Option 2013, 11 gegossene ­Zinnbarren, 10 verschiedene Deckelfiguren, von eingeschmolzenen Zinnkrügen, je ca. 5x24x7 cm


Im ersten Moment weiss man nicht, ob man sich in einer Baumusterzentrale befindet, stehen doch im Erdgeschoss Fenster, Türdurchgänge und Wandstücke scheinbar disparat herum. Irritierend ist nur, dass sie aus ihrem üblichen architektonischen Zusammenhang herausgelöst und zu neuartigen Konstellationen gefügt sind. Frei von einer zweckgebundenen Bestimmung können die transformierten Objekte etwas Unerwartetes leisten, nämlich als verdichtete Formen auftreten, gar als fehlende Elemente präsent sein oder sich in Ensembles auflösen, die als Lichtträger zu fungieren scheinen. So würde man einem sechsteiligen, mit Pianolack übermaltem Kiefernholzfenster nicht ansehen, dass es aus einer bestehenden Hauswand ausgebaut wurde, zumal auch seine Gläser entfernt sind. Die Zürcherin Ilona Rüegg (*1949) fügt provisorisch anmutende Teile zusammen; etwa drei Türzargen, die sie in eine freistehende Position zueinander stellt und lose miteinander verbindet. In diesem Umwandlungsprozess interessiert sie eine durch die Verschiebung entstehende, veränderte Ökonomie der Objekte; so wenn sie zwei Raumteiler aus Grossraumbüros horizontal aufeinanderstapelt, durch zwei farbige Glasscherben stützt und die Bespannung der Akustik-Wandpaneelen auswechselt. Dadurch entsteht ein Kunstraum, der viele Ebenen interferieren lässt. Auch wenn die Objekte spröd und sperrig daherkommen, ist man an Kindheitsfantasien von sich bewegenden Möbelstücken erinnert. Darüber vermochte Herta Müller in ‹Katzengeschrei› (im Hörbuch ‹Die Nacht ist aus Tinte gemacht›, 2009) so blumig zu erzählen. Es handelt von ihren kindlichen Vorstellungen, dass nachts die Blumen und Möbel jeweils woanders hingingen. Es gelang ihr allerdings nie, sie dabei zu ertappen, denn jedes Mal, wenn sie die Türe öffnete, rückten die Möbel gerade wieder an ihre gewohnte Stelle. Rüegg lotet die inhärenten, potentiellen Möglichkeiten von Objekten aus, die von ihrem üblichen Gebrauch befreit sind. In ihrer transitorischen Auszeit im Kunstkontext - im Verschiebungsprozess, wie die Künstlerin dies bezeichnet - lässt sie die rein ästhetische Dimension der Dinge spielen, bevor diese nach Ausstellungsende in ihre Produktionsstätten zurückgebracht werden.

Bis: 12.05.2013



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Ausgabe 5  2013
Ausstellungen Ilona Rüegg [17.03.13-12.05.13]
Institutionen Kunst(Zeug)Haus [Rapperswil-Jona/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Ilona Rüegg
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