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Hinweis
5.2013




Rapperswil : Behaglich ist anderswo


von: Sarah Merten

  
links: Yves Netzhammer · Ohne Titel, 1999, ­Cibachrom-Print auf Aluminium, Sammlung Bosshard
rechts: Anina Schenker · Living in a Box 2 / Still 3, 2003, Videostill, Colorproof zwischen Acrylglas, Aluminiumleiste, Sammlung Bosshard


Während sich Duftkerzen in den Ausverkaufsregalen türmen, stellen die Co-Kuratorinnen des Kunst(Zeug)Hauses ernüchternd fest: ‹Behaglich ist anderswo›. So betiteln Daniela Hardmeier und Manuela Reissmann ihre Sammlungsausstellung und fokussieren damit nicht etwa das krisenerschütterte Ausland, sondern das gegenwärtig Nahe. Mit Arbeiten von rund siebzig Kunstschaffenden spürt die Ausstellung den leisen Tönen von möglichen Ursachen nach, die das subjektiv geprägte Wohlbefinden ins Unbehagen verschieben.
Wer sich gemütliche Häuslichkeit wünscht, sollte sich nicht an Bob Gramsma (*1963) wenden. Mit einer minimalen Anlage, bestehend aus geschlossenen Lamellenstoren und einer von der Decke hängenden, umgekehrten und mit Gips ausgespachtelten Sitzschale, erzeugt er ein seltsames Wechselspiel zwischen Schwerelosigkeit und Klaustrophobie. Woanders wird die Beziehung zwischen Mensch und Tier behandelt, die gleichermassen geprägt ist von Zuneigung wie Befremden. Für manch einen sind Nacktschnecken weit vom Mensch entfernt und eklig obendrein. Insbesondere, wenn sie wie bei Yves Netzhammer (*1970) Leib an Leib durch die Gegend kriechen. Jäh aber verschiebt sich der Blick und eine fleischfarbene Zunge löst sich aus dem Schnecken-Zwilling. Das Ekeltier wird zum Körpereigenen und hinterlässt buchstäblich einen fahlen Nachgeschmack. Körperliches Unbehagen thematisiert auch Anina Schenker (*1971). Für ‹Living in a Box› hat sich die Künstlerin nackt auf engstem Raum eingeschlossen. An Bewegung ist kaum zu denken. Das Videostill erzählt von inneren und äusseren Bedrängungen ebenso wie von schutzvoller Umhüllung. Es ist diese - meist subtile - Verschränkung von Gegensätzen, welche die Exponate der Ausstellung prägt. Klug gewählte Nachbarschaften verursachen zusätzliche Brüche der jeweils werkimmanenten Ambiguität.
Unbehagen soll auch die Ausstellungschoreografie vermitteln. Die weitgehend klein- bis mittelformatigen Arbeiten sind rhythmisch an den Wänden verteilt, dreidimensionale Werke dafür spärlich platziert. So entsteht viel leerer Raum, in den man laut Begleittext nach Betrachtung der Kleinformate wieder zurückgeworfen werden sollte. Das will allerdings nicht recht funktionieren, denn gerade die kleinen Formate erzwingen keinen Überblick aus der Raummitte. Tatsächlich hätte ein akzentuierter Bruch der Regelmässigkeit das beabsichtigte Raumempfinden mancherorts begünstigt.

Bis: 12.05.2013



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Ausgabe 5  2013
Ausstellungen Behaglich ist anderswo. Werke aus der Sammlung [13.01.13-12.05.13]
Institutionen Kunst(Zeug)Haus [Rapperswil-Jona/Schweiz]
Autor/in Sarah Merten
Künstler/in Yves Netzhammer
Künstler/in Anina Schenker
Künstler/in Bob Gramsma
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