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Hinweis
5.2013




Zürich : Guillaume Pilet


von: Dominique von Burg

  
links: Guillaume Pilet · Ausstellungsansicht, 2013, Galerie Rotwand
rechts: Guillaume Pilet · Ausstellungsansicht, 2013, Galerie Rotwand


Empfangen wird man von Abbildungen eines Affen, der in amerikanischer Gebärdensprache ‹I love you› ausdrückt. Die Liebe, genauer die Affenliebe, ist denn auch Thema dieser Ausstellung. Das im Ausstellungstitel angetönte Phänomen der Ersatzmütter ist ein Begriff, der einer Reihe von Versuchen entliehen wurde, die der Verhaltensforscher Harry Harlow mit Affenbabys durchgeführt hat. Damit erbrachte er den Beweis, wie wichtig Liebe für Lernprozesse und die Entwicklung des kognitiven Denkens ist. Guillaume Pilet (*1984, Payerne) hat archaisch-naiv anmutende, zarte Keramikfigürchen als Hommage für die Ersatzmütter auf hohe Sockel gesetzt. Sie thronen in einer schummrigen, nur von eleganten Designlampen aus Pneureifen beleuchteten Rauminstallation. Ihre Pendants bilden drei weibliche, wuchtige Porträtbüsten aus Keramik mit eiförmigen, flächigen, nach Fotografien gezeichneten Gesichtern. Sie repräsentieren die berühmten Wissenschaftlerinnen Dian Fos-sey, Jane Goodall und Penny Patterson, die ihr Leben der Beobachtung von Affen widmeten.
Die Ausstellung zeigt einen Aspekt des Werkkomplexes ‹Learning From Aping› - einem experimentellen Projekt über Affen, kognitive Wissenschaften, kulturelle Übertragungen und den Nachahmungscharakter künstlerischer Praxis -, mit dem sich Pilet seit über einem Jahr auseinandersetzt. Abstrakte Wortsymbole sollen der Verständigung mit Menschenaffen dienen. Sie sind in kleinformatigen Acrylbildern von Lexigrammen wiedergegeben. In ihren abstrakt-konkreten Konfigurationen deklinieren sie gleichzeitig die Formen der Moderne durch und erinnern punktuell an Werke von Olivier Mosset, John Armleder, Jean-Luc Manz und der russischen Avantgarde. So spiegelt die Ausstellung die ganz persönliche Mythologie von Pilet. Der Künstler flirtet jovial mit kunsthistorischen Motiven, arrangiert sie spielerisch, jongliert virtuos mit High und Low. Entsprechend facettenreich sieht sein medial breit angelegtes Œuvre aus. Die Ästhetik oszilliert zwischen fantasievollen, kitschig-witzigen Formfindungen in kunsthandwerklicher Manier, volkstümlichen Bildwelten und Versatzstücken der Moderne. Pilets künstlerischer Methode liegt gemäss eigener Aussage die ‹Haltung des interessierten Amateurs› zugrunde. Über die Allegorie des Affen als Sinnbild für künstlerische Produktion gelangt er zu eigenen Stilformen und unverkennbaren künstlerischen Metaphern.

Bis: 18.05.2013



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Ausgabe 5  2013
Ausstellungen Guillaume Pilet [21.03.13-18.05.13]
Institutionen Galerie Rotwand [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Guillaume Pilet
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