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5.2013




Zürich : Marc Chagall


von: Madeleine Panchaud de Bottens

  
links: Marc Chagall, Moi et le village. 1911, Öl auf Leinwand, 192,1x151,4 cm, Courtesy The Museum of Modern Art, New York ©ProLitteris
rechts: Marc Chagall, Autoportrait aux sept doigts, 1912/13, Öl auf Leinwand, 126x107,5 cm, Courtesy Stedelijk Museum, Amsterdam ©ProLitteris


Das Kunsthaus lockt mit dem Frühwerk ‹eines der beliebtesten Künstler des 20. Jahrhunderts›, des ‹Meisters der Moderne› - und hat dafür sogar montags geöffnet. Das Publikum kommt denn auch in Scharen, um umschlungene Liebespaare in blauen Himmeln zu sehen, und wird von einem avantgardistischen Frühwerk überrascht. Präsentiert werden die rund neunzig Arbeiten aus den Jahren 1911-1922 auf auberginen-, rosa- und taupefarbenen Wänden im grosszügigen Bührle-Saal. 1911 kommt Chagall (1887-1985) aus Russland in die Kunstmetropole Paris, wo er Robert Delaunay und Blaise Cendrars begegnet und zu einer persönlichen künstlerischen Sprache findet. Im Exil wird der Heimatort Witebsk zum magischen Sehnsuchtsort seiner Kunst. Chagall webt einen surreal-märchenhaften Kosmos aus alltäglichen Szenen und chassidischen Bräuchen. Paris nennt er ‹mein zweites Witebsk›. Stilistisch jedoch experimentiert er mit der Avantgarde: Er liebt die Farben der Fauves und lässt sich von Delaunays Orphismus und kubistischen Tendenzen inspirieren. So malt er sein erstes grosses Selbstbildnis kubistisch fragmentiert und sehr farbig. Auf dem ‹Selbstbildnis mit sieben Fingern›, 1912/13, stellt er sich im Atelier dar mit farbbetupfter Palette, auf der Staffelei eine Fassung des nun in Zürich zu sehenden Gemäldes ‹Für Russland, für Esel und für andere›, 1911. Über diesem ‹Bild im Bild› mit der ersten Chagallschen ‹Schwebefigur› (!) und dem Prototyp eines rosa Tieres auf dem Dach erscheint ein surreales Wölkchen mit Dorf. Darüber steht in hebräischer Schrift ‹Paris› und ‹Russland› - die beiden Pole, die sein Lebenswerk prägen. Im komplex orchestrierten Selbstbildnis ‹Ich und das Dorf›, 1911, einem Tête-à-Tête von Schaf und Mensch, veranschaulicht er als orphistische Farb- und Formcollage den Einklang zwischen Mensch und Tier in Witebsk. Übermütig stellt er Häuser auf den Kopf und malt eine melkende Frau ‹en miniature› in den Kopf eines Schafes. In Zürich ist eine in Chagalls Gesamtwerk einmalige Serie von kühnen Aktzeichnungen (1911) zu entdecken. Ein Highlight der Zürcher Ausstellung ist das 1920 für das Moskauer Theater komponierte Werk ‹Einführung in das Jüdische Theater›, in dem Chagall Musiker, Akrobaten und Ziegen rhythmischen Akkorden gleich über die Bühne aus blassfarben orchestrierten Bahnen wirbelt - mitten drin wird er selbst, die Palette in der Hand, triumphierend emporgehoben - was für ein Theater, was für ein Fest!

Bis: 12.05.2013



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Ausgabe 5  2013
Ausstellungen Marc Chagall [08.02.13-12.05.13]
Institutionen Kunsthaus Zürich [Zürich/Schweiz]
Autor/in Madeleine Panchaud de Bottens
Künstler/in Marc Chagall
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