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Editorial
6.2013





  
TITELBILD · Steve McQueen · Charlotte, 2004, Filmstill, Emanuel Hoffmann-Stiftung


Der Juni ist mit der Biennale di Venezia und der Art Basel der Monat der Grossevents. Dabei werden jeweils nicht nur junge Kunstschaffende aufs Podium gebeten, sondern der Blick richtet sich auch gezielt zurück, in die Kunstgeschichte. Diesmal auf überraschende Weise: Denn was tut der wohl weltweit reichste Player im Kunstgeschehen, der selbstbewusst von sich sagt, «money is never a topic»? Er mietet einen Palazzo in Venedig und stellt die legendäre Berner Kunstausstellung von Harald Szeemann ‹Live in your head: When Attitudes become Form› von 1969 nach.
Im Vorfeld haben diverse Institutionen um das Szeemann-Archiv gerungen. Den Zuschlag erhielt dann zur Enttäuschung des SIK Zürich oder des bestens qualifizierten documenta Archivs Kassel das Ghetty Institut in Los Angeles. Nicht weil dieses viel mehr bezahlt hätte, sondern weil es glaubhaft machen konnte, dass es die Dokumente aktiv bewirtschaften und öffentlich zugänglich machen will.
Dass das Archiv weder in Deutschland noch in der Schweiz blieb, war ein Versagen der Politik. Denn für Projekte wie dieses ist eine überregionale Trägerschaft essenziell. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass Archiv ≠ Archiv ist. Kunstarchive - anders als gesellschaftspolitisch historische Archive, denen oft eine düstere Aura anhaftet - sind in erster Linie positiv konnotiert. Sie versammeln künstlerische Weltentwürfe, sind Ideenpools von innovativer Kraft, welche die Messlatte für künftige Generationen von Kunstschaffenden setzen und ihnen Anknüpfungspunkte bieten.
Damit wären wir bei der «Reine Isabelle», bei Isabelle Chassot, der frisch gewählten Kulturministerin der Schweiz. Wir hoffen, dass wir für grössere überkantonale Projekte in ihr eine Ansprecherin finden. Damit die Szeemanns der Zukunft auch in ihrer Heimat einige Kisten Denkstof hinterlassen dürfen. Claudia Jolles



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Ausgabe 6  2013
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