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Besprechung
6.2013


Katharina Dunst :  Die Wanderausstellung ‹The Ride› ist bis nach der ART zu Gast in der Schwarzwaldallee auf dem ehemaligen Basler NT-Areal. In der zweiten Phase der ‹The Ride›-Auftritte werden Fragen zu Ausstellungsdispositiven gestellt, wobei die eigene Sammlung zur recht chaotischen Insel gerinnt.


Basel : ‹The Ride›


  
The Ride · Ausstellungsansicht Schwarzwaldallee, an der Wand: Martin Chramosta · Insel 2013, Keramik. Foto: Karin Borer.


«Wird ein Kunstwerk als solches wahrgenommen, wenn es ausserhalb der ihm zugeordneten Räume gezeigt wird?» Diese Frage stellt das Künstlerkuratorium ‹Galerie J› im Vorwort des Ausstellungsführers ‹The Ride, archives›. Martina-Sofie Wildberger und Raphaël Julliard haben 2005 in Genf ihr Projekt ‹Galerie J› begonnen. «Dreimal jährlich, zeitgleich mit den Vernissagen der umstehenden Galerien, wurden Werke wenig bekannter Künstlerinnen und Künstler (...) in Julliards zwischen den Galerien parkiertem Golf präsentiert.» 2009 wurde das Projekt in einem Sportwagen auch vor Pariser Galerien im Marais durchgeführt. Als dort dann einmal die Polizei aufgeboten wurde, machten die vielen Besucher/innen den Wagen unsichtbar, so dass ein anderes, falsch geparktes Auto mit der für die mobile Galerie J bestimmten Radschelle bestraft worden sei.
Die in 17 Ausstellungen während fünf Jahren akkumulierten Exponate werden nun in ‹The Ride› ausgestellt. Drei Stationen werden erprobt, wobei sich die Szenografie am Werk eines dazukommenden Künstlers orientiert. Für Basel wurde Martin Chramosta eingeladen. Er modellierte eine Insel und platzierte sie im Hintergrund der ebenso inselförmigen Installation der ‹Sammlung J›. «Die Idee zum Bild der Insel kam mir einerseits beim Anblick eines zypressenbestandenen Kreisels, der mich an Böcklin erinnerte, und andererseits aus einer meiner früheren Keramikarbeiten in Stalagmitenform», erzählt der Künstler. Stimmig ist das Bild, da die Gemeinschaft der dicht gedrängten Werke und Objekte auf der Gestirnsplane im Zentrum des kleinen Ausstellungsraums auch der gerafften Zeit entspricht, in der die mehrjährige Ausstellungsgeschichte in ein Format des Schnellschauens transponiert wurde. Die Isolation und Kühle des weissen Raums im Vergleich zur lebendigen und ereignishaften Geschichte lässt die Relikte der Aktionen näher zueinander rücken. Stiller als still schweigen die Lautsprecher von Elena Montesinos Soundtrack, kühler als kühl ist der Grill von Stephane Magnin und melancholisch wirkt der gedruckte Wunsch: «Nous voulons fêter jusqu'au lever du soleil». Umso erfrischender sind die zwei Publikationen, insbesondere jene von Raphael Julliard, u.a. inklusive eines lesenswerten Interviews mit Seth Siegelaub zum Thema Zeit und Chronologie.

Bis: 16.06.2013



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Ausgabe 6  2013
Ausstellungen Galerie J - The Ride [20.04.13-15.06.13]
Institutionen Schwarzwaldallee [Basel/Schweiz]
Autor/in Katharina Dunst
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