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Besprechung
6.2013


Nadine Wietlisbach :  Die Zeit vergeht und bleibt doch stehen: Kein Widerspruch für den argentinischen Künstler Jorge Macchi. In seiner ersten institutionellen Einzelausstellung in der Schweiz entwirft er in zehn Räumen eine Sinfonie, die zwischen monumentalem Eingriff und zarter Geste oszilliert.


Luzern : Jorge Macchi - Schwingender Stillstand


  
links: Jorge Macchi, Container, 2013, Dimensionen variabel, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Luzern. Foto:Stefano Schröter
rechts: Jorge Macchi, From here to eternity, 2013, Dimensionen variabel, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Luzern. Foto: Stefano Schröter


Ein oranger Schiffscontainer scheint wie mit Zauberhand durch das Dach in den Raum gestossen. Er steckt fest - nur an vier Eckpunkten liegt er auf. Diese massive Installation - eine Idee, deren Umsetzung dem für seine Aquarelle und subtilen Installationen bekannten Jorge Macchi (*1963, Buenos Aires) offenbar schon länger ein Anliegen war - könnte in ihrer monumentalen Dimension die anderen Arbeiten überschatten. Doch die Dramaturgie, die uns durch das Museum leitet, funktioniert bestens: Auf den Container trifft man erst, nachdem man sich zu Beginn des Parcours erwartungsvoll durch die an eine Abflughalle erinnernde Installation ‹The longest distance between two points› geschlängelt hat. Der grösste Museumsraum ist mit blauem Teppich ausgelegt, blaue Absperrbänder in silbernen Halterungen leiten uns und erinnern dabei an die Weite des Meereshorizontes.
Die Installationen von Macchi, die für die Räume entwickelt wurden, wirken allesamt sehr unmittelbar. ‹Hotel› besteht aus einem ornamentalen Tapetenmuster sowie einer darauf befestigten Lampe und spielt mit unserer Wahrnehmung: Das Tapetenmuster löst sich gegen die Ränder der Wand auf, dennoch findet sich im Zentrum des blau leuchtenden Tapetenmusters wider Erwarten keine angeknipste Lampe. Akustisch funktioniert die Zweikanal-Video-Arbeit ‹From here to eternity›, die in Zusammenarbeit mit dem Musiker Edgardo Rudnitzky entstand. Die letzten Sekunden vor dem Abspann sowie der Auftakt des gleichnamigen Hollywood-Klassikers werden parallel nebeneinander projiziert, hörbar sind die Tonspuren der jeweiligen Filmabschnitte sowie der schwermütige Gesang einer Frau. Der finale Tonmix entsteht, indem die beiden nicht synchronisierten, ungleich langen und musikalisch unterschiedlichen Sound-Loops live gekoppelt werden, wodurch der Gesang entsteht.
Macchi setzt seine Ideen häufig zuerst in Aquarellen um - so auch in Luzern, die entsprechenden Blätter hängen im Foyer - und sucht dabei nach Bildern, die er später im Raum realisiert. Die Nähe zur Konzeptkunst weist er weit von sich. Den Transfer einer Emotion kann man nicht konstruieren. Alltägliche Beobachtungen und Materialien sind die physischen Bestandteile seiner Installationen: In seinen Setzungen schafft er Räume in Räumen, die in ihrer Präzision bestechen und bis in die Magengegend nachklingen.

Bis: 16.06.2013


Edition zur Ausstellung von Jorge Macchi, Edizioni Periferia, Luzern, 2013



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Ausgabe 6  2013
Ausstellungen Jorge Macchi [23.02.13-16.06.13]
Institutionen Kunstmuseum Luzern [Luzern/Schweiz]
Autor/in Nadine Wietlisbach
Künstler/in Jorge Macchi
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