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Besprechung
6.2013


Katharina Holderegger Rossier :  Das Centre Dürrenmatt stimmt sich in eine neue Ausstellungsreihe zum Thema ‹Labyrinth› mit einer Carte Blanche an Augustin Rebetez ein. Zusammen mit zwei seiner Peers hat er eine Installation geschaffen, die Schauder wie Zauber weckt und die Lust, sich zu verlieren.


Neuchâtel : Augustin Rebetez - Traumtänzerische Labyrinthe


  
links: Ici vous allez trouver ce que nous cherchons, 2013, Ausstellungsansicht, Centre Dürrenmatt, Neuchâtel. Foto: Lukas Tiberio Klopfenstein
rechts: Augustin Rebetez und Noé Cauderay · Ohne Titel, Stop-Motion-Video, 2013, Still


Dürrenmatt nannte das Labyrinth eines der «Urmotive» seines Schaffens. Er empfand bereits sein Heimatdorf Konolfingen und die Stadt Bern, in die er als 14-Jähriger kam, als zu komplex, um sie zu fassen. Bei der Beschäftigung mit dem Mythos des im Labyrinth gefangenen Minotauros und mit dessen Erbauer Daidolos sah er später die Aufgabe, der Welt seine eigenen Universen entgegenzusetzen. Das Werk des jungen Künstlers Augustin Rebetez (*1986), der schon viele Preise für seine zwischen Dokumentation und Fiktion oszillierende Fotografie eingeheimst hat, der aber auch wunderbar filmt, zeichnet, malt und dichtet, entspringt einem ähnlichen Impetus. Im Centre Dürrenmatt spannt er nun einmal mehr mit Noé Cauderay (*1981) zusammen, der ebenfalls als Fotograf begonnen, aber beim Schaffen von Figuren für Animationsfilme auch einen Hang zur Plastik entwickelt hat. Weiter sind sie auf Giona Bierens de Haan (*1987) zugegangen, der 2012 an der ETH Lausanne als Beteiligter einer vielbesprochenen Abschlussarbeit in Architektur mit dem Titel ‹Abiogenèse›, aber auch als Initiant ephemerer Bauprojekte für Aufmerksamkeit gesorgt hat.
In einer intensiven Woche ist es dem Kollektiv gelungen, in situ produzierte Arbeiten zu einer hoch suggestiven Installation zu verdichten. Die vieldeutigen Bilder und Worte in eindringlichem Schwarz und Weiss von Rebetez, die abgründigen Masken, Monster und Bestien aus Keramik und Papiermaché und die verwirrenden Gebäude und Getriebe aus Abfallholz von Bierens de Haan durchdringen sich gegenseitig, ohne ihre Individualität einzubüssen. Wie der Festsaal in einem verwunschenen Schloss wirkt dazwischen das als Triptychon angelegte Stop-Motion-Video, in dem Rebetez und Cauderay die verstaubten Utensilien einer Industriebrache zum Leben erwecken. Die Fülle an merkwürdigen Eindrücken, die sich indes im Halbdunkel der höhlenartigen Ausstellungsräume des Mario-Botta-Baus nur langsam enthüllen, ja manchmal erst knospen, wenn Türen, Läden und Hebel bewegt werden, spricht nicht nur Kinder ganz selbstverständlich an, sondern versöhnt auch Erwachsene mit den versunkenen Schichten ihrer Phantasie. Rebetez, Cauderay und Bierens de Haan haben dem Centre Dürrenmatt und dessen Leiterin Janine Perret Sgualdo einen traumtänzerischen Auftakt der Ausstellungsreihe zum Labyrinth beschert.

Bis: 23.06.2013


‹Ici vous allez trouver ce que nous cherchons›, Centre Dürrenmatt, bis 23.6., mit Publikation und Edition; Geplant sind: ‹Balades avec le Minotaure›, kuratiert von Juri Steiner und Stefan Zweifel, Schau über Armand Schulthess, in Kooperation mit der Collection Art Brut



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Ausgabe 6  2013
Ausstellungen Giona Bierens De Haan, Noé Cauderay, Augustin Rebetez [24.03.13-23.06.13]
Institutionen Centre Dürrenmatt [Neuchâtel/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Augustin Rebetez
Künstler/in Noé Cauderay
Künstler/in Giona Bierens De Haan
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