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6.2013




Genève : Pierre-Olivier Arnaud


von: Katharina Holderegger Rossier

  
Pierre-Olivier Arnaud · Ohne Titel (Abstract), 2013, Offsetdruck auf Papier, 170x120 cm


Seit den späten Neunzigerjahren verwertet Pierre-Olivier Arnaud (*1972, Lyon) fremde und eigene Fotografien zur Befragung des Zustands dieses Mediums, dessen rasante Entwicklung selbst die grössten Hellseher der Bewegungen Pop und Picture kaum voraussehen konnten. Zunehmend von internationaler Statur hat Arnaud in Genf seit Anfang seiner Karriere regelmässig ausgestellt und ist mit seinen Werken in den letzten Jahren auch in die Sammlungen der Stadt, des Kantons und des MAMCO eingegangen. Derzeit bespielt er erstmals die Galerie Skopia und testet darin einmal mehr den Widerstand von Fotografien als Träger allgemeiner Zeichen angesichts ihrer immer hoffnungsloseren Inflation und Ubiquität. Dies tut er, indem er ihren Bezug zur Realität zusätzlich «ermüdet, verlangsamt und entkräftet, ja dem Verschleiss anheim stellt» - um von ihm oft benutzte Wendungen zu zitieren. Unter dem sprechenden Titel ‹halo› (Heiligenschein, Lichthof) setzt er gleichzeitig einen neuen Akzent in seiner Arbeit.
Es kostet zwar etwas Mühe, die schattenhaften Erscheinungen auf den lose über die Wände verteilten Bildflächen als monochrome Vergrösserungen von Details von Fotos zu erkennen, die Orchideenblüten und Weihnachtsgirlanden zeigen. Diese hat Arnaud teils auf Glückwunschkarten gefunden, teils selbst geschossen. Der gänzliche Entzug der Farbe und die Neutralisierung der Umgebung führen vor Augen, wie stark wir bei der Lektüre eines Motivs auf die Mobilisation eigener Assoziationen gegenüber bestimmten Momenten und Relationen von Formen zurückgeworfen sind. Dabei wird uns auch bewusst, dass sich kaum enträtseln lässt, ob es sich bei den Bildflächen nun um negative oder positive Drucke handelt.
Wie es einer gängigen Präsentationsstrategie Arnauds entspricht, hat er die Mehrheit dieser Bilder in Form von direkt an die Wand gekleisterten Offsetdrucken in zwei verschiedenen Plakatformaten realisiert. Da er deren Auflage auf hundert Stücke beschränkt hat, kann dies nun nur noch 99 Male wiederholt werden, womit der von ihm durch seine Manipulationen in Gang gesetzte Prozess des Verschleisses der Fotografie nicht nur fortschreitet, sondern effektiv einem Nullpunkt zuläuft. Dieser Ausstellungsstrategie hat er diesmal aber nicht etwa eine weitere zugedacht, die in die gleiche Bresche schlägt. In die Offsetdrucke, deren Oberflächen diejenigen der Wände über den Kleister sozusagen aufgesogen haben, hat er in der Galerie Skopia zwei kleine Tafeln eingestreut, die aus je einem hier auf eine petrolblaue und dort auf eine karminroten Folie gepressten Siebdruck bestehen, der zwischen eine Aluminiumplatte und eine Glasscheibe eingeschweisst worden ist. Arnaud lenkt damit die Aufmerksamkeit so konsequent wie noch nie auf die diffuse Qualität der Fotografie zwischen einer schieren Projektion, die sich mit einem Raum oder einem Ding nahtlos verbindet und sie besetzt, und einer Plastik an sich.

Bis: 06.07.2013



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Ausgabe 6  2013
Ausstellungen Pierre-Olivier Arnaud [02.05.13-06.07.13]
Institutionen Skopia [Genève/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Pierre-Olivier Arnaud
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