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6.2013




Ivry-sur-Seine : Lara Almarcegui


von: J. Emil Sennewald

  
links: Lara Almarcegui · Ausstellungsansicht Ivry souterrain, Centre d'art contemporain d'Ivry - le Crédac, Courtesy Ellen de Bruijne Projects, Amsterdam. Foto: André Morin
rechts: Lara Almarcegui · Enlever l'asphalte, 2004, RAI Exhibition and Convention Centre, Amsterdam, Projektion, Ausstellungsansicht Centre d'art contemporain d'Ivry - le Crédac, Courtesy Ellen de Bruijne Projects, Amsterdam. Foto: André Morin


Als junge Künstlerin, sie hatte gerade ihr Atelier in Rotterdam bezogen, grub Lara Almarcegui (*1972, Zaragoza) mal ein Loch: «Ich wollte spüren, wie es ist, sich in das zu graben, was uns trägt.» Der Untergrund, auf den sich eine Stadt stützt, fiel erst durch das Loch auf - es wurde höchst amtlich zugeschüttet. Die kleine Anekdote bringt das Werk der spanischen Künstlerin auf den Punkt. Ihr geht es um den Grund der Zivilisationen, um dessen territoriale Masse, um das, was er verbirgt. Deshalb, nicht aus romantischem Antrieb, interessiert sie sich für Ruinen und Brachflächen, für die von Macht-Verhältnissen zernarbte Physiognomie der Städte. Um sie zu zeigen, stellt sie eine Liste der Materialien zusammen, aus denen Sao Paulo gebaut ist (Construction materials, Sao Paulo, 2006). Um sie zu erhalten, greift sie ein, lässt anderthalb Hektar Brachland am Ufer des Ebro in ihrer Geburtsstadt Saragossa unverändert erhalten, mitten in der Weltausstellung 2009.
In Ivry-sur-Seine, einer Pariser Vorstadt mit rund 60'000 Einwohnern, die zum Teil im
13. Arrondissement von Paris aufging, stieg Almarcegui zwei Jahre lang in den Untergrund, in die ehemaligen Steinbrüche, aus denen Baumaterial für Paris gewonnen wurde, fotografierte Baugruben für das neue ‹Ivry Confluence›, das als Verkehrsknotenpunkt Zukunft bringen soll. Zwei Jahre lang forschte sie, jetzt präsentiert das Kunstzentrum Crédac mit einem Buch und Fotografien ‹Ivry souterrain›.
Almarceguis Tiefenbohrungen im Stil Maria Eichhorns, ihre Stadtbearbeitung im Geiste Gordon Matta-Clarks sind stark. Doch ihr genuiner Beitrag vor Ort bleibt gering, die Retrospektive von Dia- und Videoprojektionen früher Werke oder noch nie gezeigter Skizzenblätter lässt mehr Präsenz in situ wünschen. Das war nicht drin, sie bespielt parallel dieses Jahr den spanischen Pavillon auf der Venedig-Biennale. Die Kuratoren sollten bei aller Begeisterung aufpassen, diese rare Perle selbstreflexiver künstlerischer Praxis nicht im Betrieb zu zerreiben.

Bis: 23.06.2013



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Ausgabe 6  2013
Ausstellungen Lara Almarcegui [18.04.13-23.06.13]
Institutionen Centre d'art contemporain d'Ivry - le Crédac [Ivry-sur-Seine/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
Künstler/in Lara Almarcegui
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