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Editorial
7/8.2013





  
TITELBILD · Stefano Cagol · The Ice Monolith, 2013, 72-Stunden-Performance, Eisblock, 200x120x50 cm, Riva Cà di Dio, Maledivischer Pavillon, Biennale Venedig


Fünf Autorinnen und Autoren berichten über die 55. Biennale Venedig. Ein besonderes Augenmerk wird auf die zehn Newcomer unter den Nationenpavillons gerichtet, so auf die Malediven, die mit einer internationalen Künstlergruppe angereist sind. Dazu gehört auch der Italiener Stefano Cagol, der einen Eismonolith in die Lagunenstadt bringen und auf der Riva Cà di Dio schmelzen liess, als «kubrickartige Metapher, die den ernsten, den Planeten betreffenden Prozess befragt». Cagol, der in einem Dorf in den Alpen lebt und soeben von Projekten aus der Arktik zurückgekehrt ist, kommentiert damit das Abschmelzen des ewigen Eises und den damit ansteigenden Wasserpegel, der in den kommenden Dekaden sensible Gegenden - allen voran die nur maximal 2,4 Meter hohe Inselgruppe der Malediven oder Orte wie Venedig - überschwemmen wird. Ökologische Auswirkungen des Klimawandels auf den globalen Wasserhaushalt thematisiert auch die Uno, die 2013, im Jahr des Wassers, feststellt, dass «die nachhaltige Bewirtschaftung der Ressource Wasser eine der grössten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts ist». Offenbar geraten nach wie vor mehr als 80% des Abwassers unbehandelt ins Gewässer, was in mancher venezianischen Calle umittelbar zu riechen ist.
Erschaffen und Vernichten ist auch ein zentrales künstlerisches Prinzip. So drängt sich beispielsweise der Bezug zu Francis Alys auf, der einen Eisblock in den Strassen von Mexico-City so lange vor sich herschob, bis er verschwunden war. Die Aktion ‹Paradox of ­Praxis 1 (Sometimes Making Something Leads to Nothing)›, 1997, dauerte damals neun Stunden. Cagols Block aus glasklarem Gletscher­eis schmolz in 72 Stunden und ist längst im algengrünen Meer vor der venezianischen Küste aufgegangen. Claudia Jolles



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Ausgabe 7/8  2013
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