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Besprechung
7/8.2013


Dominique von Burg :  Rhythmen und Zyklen verschiedener Art prägen unsere Existenz, ein Tatbestand, der sich auch häufig in der Kunst formuliert findet. In einer abwechslungsreichen Ausstellung mit multimedialen Werken von 36 internationalen Kunstschaffenden werden Rhythmen in der Kunst der letzten hundert Jahre vorgestellt.


Aarau : Rhythm in it - Vom Rhythmus in der Gegenwartskunst


  
Su-Mei Tse · Swing, 2007, Weisse Neonröhren, Transformer, Motor, 265x42x21 cm, Courtesy Galerie Tschudi, Zuoz. Foto: Jean-Lou Majerus


Empfangen wird man vom Lichtbild ‹Silent›, 2008, von Jonathan Monk. Die verheissene Stille wird jedoch von den zarten Trommeltönen von Anri Salas ‹Another Solo in the Doldrums›, 2012, unterbrochen. Darauf antwortet ein seltsames Orchester ohne Musiker ‹Sound of the Pregeometric Age›, 2009, von Katja Strunz, das lediglich aus den auf einem Podium aufgereihten Blasinstrumenten, Zimbeln und Glocken besteht, während der ungewohnte Sound aus eingebauten Lautsprechern ertönt. Der rhythmischen Abfolge von Wolken begegnen wir in ‹Genfersee mit Jura (Landschaftlicher Formenrhythmus)›, um 1912, von Ferdinand Hodler, der basierend auf seiner Theorie des «Parallelismus» grossen Wert auf die Rhythmisierung der Bildmotive legte. Dass sich auch Buchstaben als rhythmische Notationen formulieren lassen, zeigt die Word-Vitrine ‹Untitled (Nu descendant un escalier)›, 2005/06, von Bethan Huws. Auf schwarzem Untergrund setzen weisse Plastikbuchstaben den von Marcel Duchamp entliehenen Bildtitel zusammen. Indem sie vom linken oberen zum rechten unteren Bildrand spiralförmig hinabgleiten, imitieren sie die sich bewegende, abstrahierte Figur aus Duchamps Vorlage und reduzieren sie auf eine reine Buchstabenfolge. Von Rhythmus leben auch Gabriel Oroscos Deckenventilatoren, die WC-Papierschlangen spiralförmig um ihr Zentrum wirbeln lassen. Dass die aus der hauseigenen Sammlung stammenden Werke von Niele Toroni, Richard Paul Lohse, Jean Tinguely u.a. nicht fehlen dürfen, versteht sich von selbst.
Die Ausstellung ist inspirierend und kompetent inszeniert. Dabei erstaunt, dass laut Pressetext «das Thema innerhalb der Bildenden Kunst bislang kaum untersucht und auch nicht in Ausstellungen behandelt wurde», haben doch seit den italienischen Futuristen zahllose Künstler im Laufe des 20./21. Jahrhunderts Rhythmisches sowie kinetische und op-artige Aspekte in ihre Werke einfliessen lassen. Man denke nur an den ‹Licht-Raum-Modulator› von Laszlo Moholy-Nagy oder an Marcel Duchamps und Man Rays kinetische Licht- und Bewegungsobjekte. Eine Anknüpfung auch an die Gruppe ZERO oder an die ‹Groupe de Recherche d'Art Visuel› mit Julio Le Parc oder François Morellet wäre naheliegend gewesen.

Bis: 11.08.2013



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Ausgabe 7/8  2013
Ausstellungen Rhythm in it [18.05.13-11.08.13]
Video Video
Institutionen Aargauer Kunsthaus [Aarau/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Su-Mei Tse
Künstler/in Anri Sala
Künstler/in Jonathan Monk
Künstler/in Katja Strunz
Künstler/in Bethan Huws
Künstler/in Niele Toroni
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