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Besprechung
7/8.2013


Pablo Müller :  Der Schweizer Reto Pulfer hat international bereits eine gewisse Bekanntheit erreicht. In seiner Schau im Swiss Institute verknüpft er Sprache, Raum und Bild und zeigt dabei, wie Architektur eine poetische und erzählerische Qualität entwickelt.


New York : Reto Pulfer - Erzählerische Räume


  
Reto Pulfer · Zustandseffekte, 2013, Courtesy Balice Hertling Gallery, Paris, Holly Bush Gallery, London


In seiner ersten Einzelausstellung in den Vereinigten Staaten nutzt der in Berlin lebende Reto Pulfer (*1981, Bern) die räumlichen Möglichkeiten des Swiss Institute in New York vollends aus. An der Decke an Stricken befestigt, hängt eine wie ein Flickwerk aus feinen Baumwolltüchern genähte Raumhülle in den Ausstellungsraum und misst diesen aus. An einzelnen Stellen zeigen die Stoffbahnen verwaschene Farbverläufe. Man kann Pulfer's Raum betreten und diesen erkunden. In einer mit blauer Tusche in breiten Pinselstrichen bemalten Holzkiste gibt es einige kinderfaustgrosse Raku-Keramiken und in einer Ecke ist ein wiederum mit Bauwolltüchern abgetrennter kleiner Raum zu sehen.
Pulfer's Installation ‹Milchstrassengrotte› lässt an die Hauträume von Heidi Bucher denken. Die Schweizer Künstlerin hat Wände und Böden in Latex ausgestrichen und die getrocknete Schicht anschliessend abgezogen. Die so entstandenen Abdrücke der Spuren verlassener Behausungen präsentierte Bucher als Hauträume in Ausstellungen. Auch Pulfer bezieht in seiner Arbeit im Swiss Institute die vorgefundene Architektur mit ein. Doch bietet sie nicht Anlass für eine historische Spurensicherung, viel eher nimmt sie bewusst Abstand von den geschichtlichen Tatsachen. Der aus Stofftüchern gefertigte Raum ist von der bestehenden Architektur abgesetzt, und in ihrer beweglichen und leichten Form bietet diese Struktur einen Kontrast zu der durch Regeln und Konventionen geprägten, institutionellen Rahmung. In dieser Abhebung von den gegebenen Bedingungen schafft Pulfer einen Möglichkeitsraum. Was seine Installationen mit denen von Heidi Bucher verbindet, ist deren erzählerisches Potenzial. Was in Bucher's Hauträumen die in Latex geprägten Spuren einer vergangenen Zeit sind, ist in Pulver's Raum die Imaginationskraft, die beim Eintritt in diese temporäre Behausung mobilisiert wird. Die wenigen im Raum platzierten Objekte verwandeln sich in Protagonisten einer Erzählung. Eine solche bietet der Künstler mittels eines in der Ausstellung aufliegenden Textes an. Darin wird die Raumhülle zu einer Grotte, die bemalte Kiste mit den Raku-Keramiken zu einem grossen Mund und die verwaschenen Farbverläufe in den Stoffbahnen zu einer Milchstrass. Pulver's Raum wird zu einem Schauplatz, die Objekte entwickeln ein Eigenleben und die Besuchenden treten eine imaginäre Reise an.
Die nächste Einzelausstellung ‹Zustand der Intensivierung› von Reto Pulfer findet im Kunstverein Nürnberg – Albrecht Dürer Gesellschaft statt.

Bis: 08.09.2013



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Ausgabe 7/8  2013
Ausstellungen Reto Pulfer [22.06.13-08.09.13]
Institutionen Kunstverein Nürnberg [Nürnberg/Deutschland]
Institutionen Swiss Institute [New York/USA]
Autor/in Pablo Müller
Künstler/in Reto Pulfer
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