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Besprechung
7/8.2013


Brita Polzer :  Im Kunstmuseum und an weiteren Orten in Olten werden Arbeiten zum Thema Babel gezeigt. Dorothee Messmer und Lisa Mandelartz präsentieren rund zwanzig Künstler/innen zur biblischen Geschichte. Einer der Beiträge wird - ein wenig vermessen - im höchsten Gebäude der Stadt durchgeführt.


Olten : Babel - ...dass wir uns einen Namen machen


  
Willi Facen · Turmbau zu Babel I, 2012, Aquarell auf Velin, 96x140 cm


«Und sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und Turm bauen, des Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen! denn wir werden sonst zerstreuet in alle Länder. Da fuhr der Herr hernieder» - heisst es in 1. Mose 11. - und er zürnte den Menschen. Um ihrem Vorhaben ein Ende zu machen, sorgte er dafür, dass sie sich nicht mehr verständigen konnten. Die in der Bibel in nur neun Sätzen erzählte Geschichte des Turmbaus zu Babel hat hohe Imaginationskraft und von Pieter Bruegel über Gustave Doré bis zu Salvador Dali wurde sie immer ­wieder thematisiert. Die Ausstellung in Olten stellt nicht nur diverse - auch historische - Arten von vermessenen Bauten vor, auch die Sprachverwirrung, gemeinhin eher in Philosophie und Kulturanthropologie verortet, findet Beachtung.
Die gigantischen Türme des Malers Willi Facen (*1930) könnten der frühchristlichen Architektur am ehesten entsprechen. Stockwerk um Stockwerk wachsen sie aus einer Felsenwüste zum Himmel hinauf, scheinen den Bilderrahmen zu sprengen, wirken wie eine fast ohne menschliches Zutun existierende, unheimliche Kraft. Monica Ursina Jägers (*1974) utopische Gebilde dagegen - dichte, molekülartige Verbindungen von Architektur und Natur - erinnern eher an die fantastischen schwebenden Hügel in Avatar, dem Film des amerikanischen Regisseurs James Cameron. Roland Roos (*1974) ist der sprachlichen Verwirrung auf der Spur. Er bat fünf Firmen, ihm einen Buchstaben ihrer Leuchtbeschriftungen auszuleihen, um den Ausstellungstitel zu schreiben.Die aargauische Kantonalbank tritt nun vorübergehend als Kantonal_ank, das Hotel Astoria als _storia auf. Die Auflösung der sprachlichen Verwirrung ist im finsteren Kunstraum ‹Kathedrale Olten› zu sehen, wo alle fünf Buchstaben als wunderschönes babEL aufleuchten.
Ein spezielles Projekt wird auch von Interpixel realisiert. Eva Maria Würth und Philippe Sablonier fanden heraus, dass in Olten eine babylonische Sprachverwirrung herrscht. Die Kommunikation zwischen Politik, Bürger/innen und Verwaltung könnte besser sein, zudem will Olten ein selbstbewussteres Image aufbauen. Im Juni richtete Interpixel ein Verständigungsbüro ein, in dem man Anregungen und Klagen zum Städtchen deponieren konnte. Die Erkenntnisse werden zum Abschluss des Projekts ausgewertet und veröffentlicht. Untergebracht war das Interpixel-Büro im höchsten Haus Oltens, im zehnten Stock des Stadthauses!

Bis: 18.08.2013



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Ausgabe 7/8  2013
Ausstellungen Babel - There's a Heaven above You [26.05.13-18.08.13]
Institutionen Kunstmuseum Olten [Olten/Schweiz]
Autor/in Brita Polzer
Künstler/in Willi Facen
Künstler/in Monica Ursina Jäger
Künstler/in Roland Roos
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