Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
7/8.2013




Arbonne : Olga Titus


von: Lucia Angela Cavegn

  
Olga Titus · Ideal Artist, 2013, Fotografie, 22x30,5 cm (Grösse variabel)


In ihrer Ausstellung ‹Ideal Artist› setzt sich die Winterthurer Künstlerin Olga Titus (*1977) mit der Rolle von Kunstschaffenden in der Gesellschaft bzw. mit Idealvorstellungen des Künstlerdaseins auseinander. Im Vorfeld ihrer Ausstellung in der Kunsthalle Arbon weilte Titus von Januar bis März als Artist in Residence in Varanasi. Die indische Kultur mit ihren Göttern und Filmhelden bot ihr nach eigener Aussage beste Voraussetzungen für ihre Recherchen. Als westliche Künstlerin mit indischen und malaysischen Wurzeln hat sich Titus bereits in früheren Werken mit Fragen der Selbst- und Fremdwahrnehmung beschäftigt. Mit ‹Ideal Artist› hinterfragt sie die Glorifizierung der Künstlerexistenz, so beispielsweise in ihrem Video ‹Habitus Artifex›. In einem blühenden Waldstück (5000-teiliges Puzzle) entdeckt das neugierige Publikum eine paradiesische Szene - eine Miniaturwelt -, in der «frei lebende Künstler» (Art Natives?) wie wilde Tiere beobachtet werden können. Ebenso vielschichtig ist ihre Arbeit ‹Mirror, Mirror on the Wall›, wo Gesichter durch die partiell weggekratzte Spiegeloberfläche schimmern. Die wie aus einer anderen Welt entgegenblickenden Konterfeis beruhen auf bekannten Künstlerporträts, welche Titus in einer Art Collage mit ihrem eigenen verschmolz. Bereits vor ihrem Indienaufenthalt entstand das Video ‹Ideal Artist›, das wie ein Instruktionsfilm Kunstschaffenden Anleitungen zum erfolgreichen Networking gibt.
In Varanasi suchte Titus Fotostudios auf, die nach alter Manier Schwarzweiss-Aufnahmen von Hand kolorieren. Ein Teil ihrer fotografischen Arbeiten weist handkolorierte Elemente auf, aber für die Mehrzahl der humoristischen Selbstporträts griff sie auf fiktive Hintergründe digitaler Natur zurück. Solche gefakten Aufnahmen erfreuen sich in Indien grösster Beliebtheit, entsprechen sie doch dem ausgeprägten Wunsch nach Idealisierung. In den Fotografien von Titus wird die Wunschwelt durch Requisiten aus Karton (beispielsweise Sporthanteln) als Konstrukt erkennbar. Aus einer sog. ‹Chantdevice› (eine genuine Wortschöpfung der Künstlerin) erklingt ein Mantra, das den Titel ‹The Profane and the Divine› trägt. Mit einer raumfüllenden, an indische Baugerüste erinnernden Installation aus Holzstecken visualisiert Titus die künstlerische Gedankenwelt. Auf einer überdimensionierten Darstellung eines Hirnquerschnitts werden die Eigenschaften des ‹Ideal Artist› verortet. Und mit einem Blätterwald aus Skizzen und Notizen zeigt sie auf, was in einem produktiven Künstlerhirn alles geschieht: Ein andauerndes Gewitter von Geistesblitzen und Ideenstürmen.

Bis: 14.07.2013



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 7/8  2013
Ausstellungen Olga Titus [09.06.13-14.07.13]
Video Video
Institutionen Kunsthalle Arbon [Arbon/Schweiz]
Autor/in Lucia Angela Cavegn
Künstler/in Olga Titus
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=130703120002NVW-23
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.