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Hinweis
7/8.2013




Bern/Lugano : Mythos und Geheimnis


von: Eva Dietrich

  
links: Albert Trachsel · Der Blitz, nach 1901, Öl auf Leinwand, 104,5x130,5 cm, Kunst-­museum Solothurn, Josef Müller-Stiftung
rechts: Albert Welti · Nebelreiter, 1896, Tempera und Öl auf Leinwand, 73x59,5 cm, Kunstmuseum Basel, Vermächtnis, Max Geldner


Die von Valentina Anker kuratierte Symbolismus-Ausstellung will die wichtige Rolle von Schweizer Künstlern im internationalen Kontext des Symbolismus aufzeigen, eine Übersicht über den Symbolismus geben sowie existenzielle Fragen unserer Zeit beantworten.
Die vom Kunstmuseum Bern in ­Kooperation mit dem Museo Cantonale d'Arte Lugano konzipierte Schau umfasst viele Ziele und ein Thema, das ebenfalls auszufransen droht. Denn Symbolismus sei mehr eine Haltung denn ein Stil. ‹Die Nacht› von Ferdinand Hodler bildet den schönen Auftakt im Untergeschoss. Hier wird nächtlich Verborgenes hell beleuchtet. Weitere Nachtbilder evozieren Ahnungen von existenziellen Ängsten und Träumen, in deren Beschwörung der Symbolismus das eigentlich Wirkliche sieht.
Die thematisch geordnete Ausstellung zeigt Arnold Böcklins allegorische und mythologische Gestalten in der Natur, Frauen zwischen Lust und Melancholie, verliert aber immer wieder an Konzentration mit Beispielen, denen eine symbolistische Aufladung fehlt. So hängen neben dem Gemälde ‹Der aussätzige Wald› von William Degouve de Nuncques der ‹Frühlingsschnee› von Hans Emmenegger und gegenüber die ‹Wettertannen› von Richard Riemerschmid, die genau darstellen, was ihr Titel sagt. Von Giovanni Segantini, der symbolistische Bilder wie die ‹Die Eitelkeit› gemalt hat, werden auch Alpenidyllen und ein Schafstall gezeigt. Weniger wäre mehr.
Im Erdgeschoss lassen tolle Werke von Franz von Stuck oder Augusto Giacometti Paradies­sehnsüchte, Vergänglichkeit und Dämonisches aufleben. Leider haben die Bilder oft zu wenig Platz, weil die Ausstellung zu viele alternative Bewegungen um 1900 dem Symbolismus ­zuordnet und dabei Begriffe wie Jugendstil, Okkultismus, Anthroposophie oder Lebensreform ignoriert. Man fragt sich, worin der Erkenntniswert liegt, wenn beispielsweise die Vegetarierkolonie auf dem Monte Verità dem Symbolismus zuge­ordnet wird, nur weil dort Städter Zivilisationskritik übten. Und sind die naiven Zeichnungen von Hélène Smith nun symbolistisch, nur weil sie ein Medium war? Spätestens hier wünscht man sich statt symbolistischer Haltung mehr Konzentration auf eine gewisse Bildsprache.

Bis: 12.01.2014



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Ausgabe 7/8  2013
Ausstellungen Mythos und Geheimnis [14.09.13-12.01.14]
Institutionen MASI/Palazzo Reali [Lugano/Schweiz]
Institutionen Kunstmuseum Bern [Bern/Schweiz]
Autor/in Eva Dietrich
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