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Hinweis
7/8.2013




Nairs/Chur : Uninhabitable Objects


von: Gisela Kuoni

  
links: Markus Müller · Wood Work, 2011, Öl auf Sperrholz, Stahl pulverbeschichtet, 328x12x46 cm ©ProLitteris. Foto: Christof Rösch
rechts: Rachel Whiteread · House, 1993, Video, 26'6', Artangel und Hackneyed Productions ©ProLitteris. Foto: Edward Woodman


ein Ausstellungstitel, zwei Ausstellungsorte: Das Bündner Kunstmuseum Chur und das Zentrum für Gegenwartskunst Nairs sind für einmal eng vernetzt, die Ansätze sind dennoch verschieden: Katharina Ammann in Chur geht es explizit um Behausungen, um reelle oder imaginierte, um Häuser oder hausähnliche Gebilde. Die Frage nach der Bewohnbarkeit wird gestellt,doch allgemeingültige Antworten kann es darauf nicht geben. Vielmehr wird deutlich, welche ausschweifenden, fantastischen Gebilde unter dem Begriff «Behausung» subsumiert werden können. Betreten lässt sich keine: Nicht das im Video gezeigte militärische Attrappendorf ‹Answiesen› von Gerber/Bardill, nicht das ‹One Man House II› aus Stahl von Thomas Schütte und nicht das geheimnisvolle Bauwerk von Catrin Lüthi K: Mit in den Raum reichenden Latten vor der Fotografie eines abgebrochenen Hauses weckt sie die Illusion von etwas neu Entstehendem, verknüpft subtil Vergangenheit mit Gegenwart und Zukunft. Man sieht Dokumente gebauter und geplanter Häuser von Not Vital, Negativ-Fotografien von Baumhütten von Gaudenz Signorell oder die Fotografien von hütten-ähnlichen Abfall-Bauten von Bianca Brunner. Und schliesslich, als krönender Abschluss, entsteht die von Schülern in Begleitung von Alexa Giger und Baufachleuten ans Museum angebaute ‹Kindervilla›. Statt eines Katalogs erscheint eine ‹Vermittlungsmappe› für Jung und Alt.
Christoph Rösch in Nairs thematisiert die Verbindung von Architektur und Kunst, deren gegenseitige Beeinflussung und Durchdringung. Das geschieht in Modellen, Skulpturen, Installationen und Dokumentationen. Einige Künstler nehmen explizit Bezug zur inneren und äusseren Umbausituation in Nairs: Ralph Hauswirth im Estrich mit seinen in Seilen verknüpften Modellen von Badhaus/Trinkhalle/Hotel oder Jürg Hugentobler mit einer Lichtinstallation im erstmals freigelegten Kellergang. Die eigenartige Schönheit verlassener, verfallener Architektur zeigen die poetischen Zeichnungen von Marjetica Potrc, im eklatanten Gegensatz dazu die Fotografien von Christian Schwager, der ein militärisches Scheindorf aufs Korn nimmt. Die Umwandlung von Skulptur in Architektur oder die Bedeutung der Grössenverhältnisse wird deutlich, wenn etwa aus einem Tisch ein bewohnbarer Pavillon entsteht oder wenn Peter Brunner mit übergrossen Modellen die Masslosigkeit in der Architektur hinterfragt.
Die beiden Ausstellungen ergänzen sich, regen zum Austausch an und fragen nach der Bedeutung häuslicher Geborgenheit oder Verlassenheit, im Realen wie in der Fiktion, im Kleinen wie im Grossen.

Bis: 25.08.2013



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Ausgabe 7/8  2013
Ausstellungen Uninhabitable Objects. Behausungen [01.06.13-25.08.13]
Institutionen Bündner Kunstmuseum [Chur/Schweiz]
Institutionen NAIRS Zentrum für Gegenwartskunst [Scuol-Nairs/Schweiz]
Autor/in Gisela Kuoni
Künstler/in Gerber/Bardill
Künstler/in Thomas Schütte
Künstler/in Catrin Lüthi
Künstler/in Not Vital
Künstler/in Gaudenz Signorell
Künstler/in Bianca Brunner
Künstler/in Ralph Hauswirth
Künstler/in Jürg Hugentobler
Künstler/in Marjetica Potrc
Künstler/in Christian Schwager
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