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7/8.2013




Pully : Stéphane Belzère


von: Katharina Holderegger Rossier

  
Stéphane Belzère · Ovale paysage n° 4, 2012-2013, Ölmalerei auf Leinwand, 56x47 cm ©ProLitteris. Foto: Jean Genoud SA/F, Paley


Der Maler Stéphane Belzère (*1963, Argenteuil) hat sein ursprüngliches Selbstverständnis in dem schönen Text, mit dem er sich 2011 erfolgreich um den Prix FEMS bewarb, augenzwinkernd als «peintre sur le motif» bezeichnet. Ähnlich wie sein Vater, der 2007 verstorbene Schweizer Maler und Stecher Jürg Kreienbühl, verteidigte Belzère zwar einen vor den Impressionismus zurückgreifenden Stil, heftete sich aber nicht an Gegenstände, die einen schlicht und einfach berücken, sondern die in einem gemischte Gefühle aufeinanderprallen lassen. So schloss er die École des Beaux-Arts in Paris 1990 mit einer Arbeit über die Gipsabgüsse ab, welche ursprünglich die Hallen des Gebäudes bevölkerten, von der 68er-Generation jedoch in einem Kellerloch zusammengepfercht worden war. In Berlin, wo er dann bald für eine zweite Bleibe sorgte, beschäftigte er sich während Jahren mit den terrains vagues in der urbanen Landschaft nach dem Fall der Mauer. Und schliesslich verlagerte er sein Interesse auf Nahrungsmittel, die in Öl und Essig eingelegt auf ihren Verzehr warten, und begann parallel dazu mit dem Studium der in Formalin konservierten Weichteile von Tier und Mensch im Naturhistorischen Museum in Paris.
Die Spiegelungen in den ausgebuchteten Böden der hierfür verwendeten Behälter riefen in ihm indes plötzlich wieder Erinnerungen wach an spontane und intensive Kunsterlebnisse in seinen Studienjahren, nämlich das vollkommene Einschwingen in die Formen und die Farben, das ihm damals vor den Seerosen Monets und den Himmeln, Bergen und Seen Hodlers gelungen war, als würde das Wahrgenommene mit einem abstrakten «espace intérieur» zusammenlaufen. Gegen 2005 entstanden so die ersten Gemälde vor der nämlichen Sammlung im Naturhistorischen Museum in Paris, in denen die Gehirne, die Innereien und die Muskeln jedoch ausgeblendet sind - zugunsten eines kräftigen Zooms auf die weiten Landschaften, die sich ihm paradoxerweise nur in den zentimeterdicken Glasscheiben auftaten.
Im Musée de Pully sind zurzeit die Werke ausgestellt, in denen sich Belzère dank des Prix FEMS 2011 seiner Verzauberung durch dieses rätselhafte Zusammenspiel von Sehen und Empfinden weiter hingeben konnte. Zur Bewerbung damals hatte ihn nicht zuletzt das Bedürfnis motiviert, die horizontal ausufernden Schichtungen in Braun-, Blau-, Gelb- und Grüntönen mit Anflügen von Rosa und Lila wie von Erde, Wasser, Vegetation und Luft zu riesigen Panoramen zu entwickeln. Aber diese «paysage intérieur» entfalten ihre betörende Wirkung durchaus ebenso in den Ausschnitten, die Belzère auf nur bildschirmgrosse Ovale gebannt hat.

Bis: 04.08.2013



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Ausgabe 7/8  2013
Ausstellungen Stéphane Belzère [23.05.13-04.08.13]
Institutionen Musée d'art de Pully [Pully/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Stéphane Belzère
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