Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
7/8.2013




Zürich : Gottfried Honegger


von: Judith Opferkuch

  
links: Gottfried Honegger · Z 1627, 2013, Lackiertes Eisen, Ø80 cm
rechts: Gottfried Honegger · Z 1529, 2009, Lackiertes Eisen, 150x75 cm


Bereits früh in seiner Künstlerkarriere meldete sich Gottfried Honegger (*1917) vehement zu Wort. Er forderte - damals wie heute - dazu auf, sich aktiv am aktuellen Zeitgeschehen zu beteiligen, statt sich mit der «Faust im Sack» an den Übeln unserer Zeit mitschuldig zu machen. Honegger blickt nun auf ein Jahrhundert zurück, das einem rasanten Wandel ausgesetzt war und sich noch schneller weiterentwickelt. In Reden, Publikationen und bei Begegnungen beschwört der in dezentes Schwarz gekleidete Honegger - einem Prediger gleich - sein Publikum, unserer virtuell gewordenen Welt entgegenzuwirken und sich wieder vermehrt aufs reelle Sehen zu konzentrieren, der Kunst im wahrsten Sinne des Wortes mehr Raum zu verschaffen. Honeggers «sozialer Auftrag» besteht darin, der Gesellschaft durch seine bereits früh von der Geometrie und deren klaren, reinen Werten geprägte Kunst Schönheit und Ordnung zu vermitteln. Paradigmen zu wahren, die mehr und mehr zerbröckeln. Der Künstler setzt seinen Auftrag auch mittels der in Südfrankreich ansässigen Stiftung Albers-Honegger um. Deren Anliegen ist es, Kindern durch kunstpädagogische Lehrmittel und Workshops kreatives und reales Sehen beizubringen. Honegger spricht in diesem Zusammenhang gern von «digitaler Demenz», ein vom Hirnforscher Manfred Spitzer hervorgebrachter Begriff. Letztlich will Honegger an die universelle Ganzheit appellieren, die sich durch alle Lebensbereiche zieht und über das «Spezialistendenken» hinausreichen soll. Das Gesamtkunstwerk, wie es uns Harald Szeemann so eindringlich nahelegte, wurde für Honegger zum spirituellen Prinzip.
Die aktuellen Wandreliefs bilden einen zentralen Bestandteil Honeggers Spätwerks, gleichsam eine Synthese seines Schaffens. Die aus einbrennlackiertem Eisen und Aluminium bestehenden Reliefs, dominiert von lichtem Weiss, verschmelzen nahezu mit der Wand, die sie tragen. Der Dialog mit Architektur sowie Publikum verstärkt sich noch durch die minimale Ausgestaltung der einzelnen Form- und Farbelemente. Honegger fordert durch die extreme Offenheit seiner Strukturen dazu auf, die Arbeiten selbst zu Ende zu denken und unterstreicht damit einen seiner Glaubenssätze, nämlich jenen der kreativen Sehfreiheit.

Bis: 31.08.2013



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 7/8  2013
Ausstellungen Gottfried Honegger [15.06.13-28.09.13]
Institutionen Galerie Proarta [Zürich/Schweiz]
Autor/in Judith Opferkuch
Künstler/in Gottfried Honegger
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=130703120002NVW-45
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.