Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
7/8.2013




Zürich : Von Buddha bis Picasso. Der Sammler Eduard von der Heydt


von: Madeleine Panchaud de Bottens

  
Kopf eines Buddhas, China, Provinz Hebei, aus der Südhöhle des Höhlentempels von Bei Xiangtangshan, nördliche Qi-Dynastie, 560-570, Kalkstein, Museum Rietberg Zürich, Geschenk Eduard von der Heydt


Dem Titel der Ausstellung ist der lange Weg eingeschrieben, auf dem der «Buddha vom Monte Verità» Kunst erworben hat - Kunst aus Japan, Papua-Neuguinea, Indien und Kamerun, von Cézanne, van Gogh und Kokoschka. Die Ausstellung über Eduard von der Heydt (1882-1964) zeichnet mit 180 Schlüsselwerken die Entstehungsgeschichte seiner Sammlung anhand seiner Lebens- und Wohnorte nach. Esther Tisa Francini, Kuratorin der Ausstellung und zuständig für die Provenienzforschungsstelle des Museum Rietberg, durchleuchtete die aussereuropäischen Kunstobjekte und untersuchte die Sammlungs- und Leihpolitik des Weltenbürgers und Lebenskünstlers.
Von der Heydts Privatsammlung umfasste einst über 3000 Objekte. Der aus Wuppertal stammende deutsch-schweizerische Bankier und Mäzen sammelte erst europäische, ab 1920 auch afrikanische, indische und chinesische Kunst. Kein anderer hat damals Kunst aus so vielen verschiedenen Kulturen zusammengetragen. Sein Sammlungskonzept nannte er schlicht «ars una». Er war ein liebenswürdiger Gastgeber, der umgeben von seiner Kunst lebte und Darstellungen von Menschen, Göttern und Ahnen bevorzugte. 1946 schenkte er seine aussereuropäische Kunst - rund 1600 Werke - der Stadt Zürich, was 1952 zur Gründung des Museum Rietberg führte. Dem Kanton Tessin schenkte er den Monte Verità in Ascona mit 500 Kunstwerken und 300 europäische Kunstwerke finden sich heute im Von der Heydt-Museum Wuppertal. Die mit exquisiter Kunst, grossformatigen Fotografien, Mobiliar, Dokumenten, Filmen und Infotafeln ansprechend gestaltete Schau veranschaulicht von der Heydts Biografie. Im ersten Ausstellungssaal finden sich Bilder aus der elterlichen Sammlung, während Dokumente und Bücher die Kontroverse um den Bankier aufzeigen. Die Enteignung seiner Bank in London 1917 liess ihn vorsichtiger werden. Um seine Sammlung unbeschadet durch die Wirren der Zeit zu bringen, verteilte er ab 1925 Leihgaben auf der ganzen Welt. Politische Verstrickungen in den Zeiten des Zweiten Weltkriegs machten ihn zu einer umstrittenen Figur.
Ein Saal vermittelt einen Einblick in sein erstes Museum ‹Yi Yuan›, das er 1924 in Amsterdam gründete. Weiter sind Fotos vom Strandhaus Muluru in Zandvoort zu sehen, wo er in seinem Wohnhaus einen öffentlichen MUseum LUnch ROOm einrichtete, wo man «unter einem japanischen Dämon Bier trinken» konnte. Andere Aufnahmen zeigen das Hotel und die Villa am Monte Verità, wo er bis zu seinem Tod 1964 lebte. Das Hotel im Bauhausstil und den Garten stattete er mit seiner exotischen Kunstsammlung aus und schuf einen beliebten Treffpunkt für Künstler, Vegetarier und Anarchisten, denen er lächelnd, im Kurzarmhemd und weissen Shorts begegnete. «Er war ein Opportunist reinster Art. Diese Veranlagung befähigte ihn, der grossartige einmalige Kunstsammler zu werden, der gleichzeitig Lötschentaler Masken, klassizistische Gandhara-Plastik und surrealistische oder kubistische Malerei und Plastik sammeln konnte.» So Johannes Itten, erster Direktor des Rietberg.

Bis: 18.08.2013



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 7/8  2013
Ausstellungen Der Sammler Eduard von der Heydt [20.04.13-18.08.13]
Video Video
Institutionen Museum Rietberg [Zürich/Schweiz]
Autor/in Madeleine Panchaud de Bottens
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=130703120002NVW-46
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.