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7/8.2013




Zürich : Die Schweiz ist keine Insel #2 - Lauter Widerspruch


von: Anna Francke

  
links: Tina Leisch · riefenstahlremix, Kurzfilm, 2003, Installationsansicht Shedhalle. Foto: Susi Bodmer
rechts: Die Schweiz ist keine Insel #2 - Lauter Widerspruch, 2013, Installationsansicht Shedhalle. Foto: Susi Bodmer


Innerhalb von zwei Tagen erhielt Richard Wagner als Flüchtling 1849 den Schweizer Pass. Dieser war zwar befristet - dennoch, ein solches Schnellverfahren wäre heute angesichts der Asylgesetz-Revision oder regionalem Widerstand gegen Flüchtlingsunterkünfte undenkbar. Ebenso aktuell ist Wagner: Im Jubiläumsjahr 2013 würdigen die Festspiele Zürich sein Schaffen im hiesigen Exil.
Dennoch ist Wagner in der Shedhalle ungewöhnlich, insbesondere als Kontrapunkt zum Thema Roma und Schwerpunkt im mehrteiligen Jahresprogramm ‹Die Schweiz ist keine Insel› von Katharina Morawek und Can Gülcü, die seit letztem Sommer die Shedhalle leiten. Die Arbeiten im ersten Ausstellungskapitel ‹In lästiger Gesellschaft› zur Geschichte und aktuellen Situation von Roma und den Jenischen wurden für ‹Lauter Widerspruch› um Positionen erweitert, die sich mit kontroversen Personen oder Orten auseinandersetzen. Wagners Antisemitismus - das Pamphlet ‹Über das Judentum in der Musik› entstand in Zürich - , die ambivalente Rolle des Exillandes Schweiz, Ein- oder Ausschluss sowie Auf- oder Abwertungsverfahren stehen zur Debatte.
Als thematisches Scharnier der beiden Ausstellungskapitel, deren Displays sich farblich unterscheiden, funktioniert Tina Leischs Film ‹riefenstahlremix›, in dem KZ-inhaftierte Sintezas erzählen, wie sie zu unfreiwilligen Darstellerinnen für Leni Riefenstahls ‹Tiefland› wurden. Auch andere Arbeiten setzen dort an, wo eine Überarbeitung der Erinnerungskultur überfällig ist. So schlägt Sasha Huber vor, das Agassizhorn in ‹Rentyhorn› umzubenennen und eine Tafel auf dem Berggipfel zu platzieren, um statt Louis Agassiz den Sklaven Renty zu würdigen, mit dem der Schweizer Wissenschaftler seine Rassentheorie illustrierte. Saar Magal wiederum unterläuft in ‹Hacking Wagner› sowohl den Mythos Wagner als auch die Nicht-existenz seines Schaffens in der Kultur Israels mittels Tanzperformance und Interviews.
Die prozesshafte Erweiterung der Ausstellung, ein Handapparat und ein Rahmenprogramm mit Filmen und Diskussionen stehen für die Ausrichtung der Shedhalle als Ort der Recherche und einer vertieften, kritischen Auseinandersetzung.

Bis: 17.10.2013


Shedhalle, Eröffnung ‹Die Schweiz ist keine Insel #3› am 17.10.



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Ausgabe 7/8  2013
Ausstellungen Rechercheausstellung DIE SCHWEIZ IST KEINE INSEL ≠2 – Lauter Widerspruch [31.05.13-17.10.13]
Institutionen Shedhalle [Zürich/Schweiz]
Autor/in Anna Francke
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