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7/8.2013




Zürich : Wilhelm Sasnal


von: Hans Rudolf Reust

  
links: Wilhelm Sasnal · Untitled, 2013, Öl auf Leinwand, 200x220x3 cm, Courtesy the artist and Hauser & Wirth. Foto: Stefan Altenburger
rechts: Wilhelm Sasnal · Untitled, 2013, Öl auf Leinwand, 70x90x3 cm, Courtesy the artist and Hauser & Wirth. Foto: Stefan Altenburger


Spätestens seit seiner grossen Ausstellung in der Kunsthalle Zürich 2003 ist der polnische Maler Wilhelm Sasnal in der Schweiz bekannt. Die Galerie Hauser & Wirth zeigt nun einen neuen Werkkomplex mit Motorraddrivern, Mondfahrern und Vögeln, mit sich in Malerei vereinenden Stills von Stürzen und Höhenflügen.
Speedways sind Arenen der Beschleunigung. Sasnal malt seine Temponauten im Stillstand, auf dem Rücken liegend nach dem Sturz oder noch benommen, beim Aufstehen. Potenziert werden dabei die Möglichkeiten der Malerei. Selbst wenn jedes Bild in Nuancen einer Grundfarbe gemalt wird, viele Schwarzweiss, manche in Blau, auch Gelb oder Rot, so sind doch die Variationen der strengen Konturen, gestischen Striche und Flächen so reich, dass das Tempo in der Malerei und in ihrer Betrachtung wiederkehrt. Der Blick beim Sturz kopfüber auf die Fahrbahn forciert einen Taumel ins Bild, zugleich erscheint die fatale Perspektive des Motorradrennfahrers auf einmal derjenigen von Astronauten oder der unbemannten Sonde verwandt, die sich einem Himmelskörper im Landeanflug lautlos nähern.
Die Faszination der Malerei von Wilhelm Sasnal liegt vor allem auch in den überraschenden, eher filmischen Wechseln des Blickwinkels zwischen Zoom und Totale, in Schnitten und Überblendungen zwischen verschiedenen Vorstellungswelten. So erscheinen auch die bunten Vögel aus Amerika durch den übernahen Ausschnitt zunächst wie monochrome Abstraktionen. Scharf auf Bodenhöhe sehen wir das feine Profil einer jungen Frau, das sich, eingetaucht in die blaue Frühe eines dämmernden Morgens, fast schon monumental erhebt, während sie entspannt, nach einer durchtanzten Nacht, am Fluss liegt. Auch Francis Picabia hätte sich in dieser Ausstellung sicher gefreut: Vor gelbem Himmel und über einer immensen flachen Landschaft formen Zahnräder und Ketten eine eigene, an seine mechanischen Porträts angelehnte Himmelsmechanik.
Durch die aktuelle Biennale in Venedig wird die Frage nach der Wirkung innerer Welt-Bilder und Phantasmagorien neu gestellt, nicht zuletzt vor der Folie einer ständigen Überforderung durch die exponentielle Zunahme äusserer Bilder. Sasnal malt mit grosser Freiheit und findet zwischen Romantik und Science-Fiction, medial vermittelten oder intim erlebten Ansichten höchst eigene Szenen, die eine Welt ohne Trennung zwischen innen und aussen eröffnen.

Bis: 27.07.2013



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Ausgabe 7/8  2013
Ausstellungen Lee Bontecou, Wilhelm Sasnal [09.06.13-27.07.13]
Institutionen Hauser & Wirth Zürich [Zürich/Schweiz]
Autor/in Hans Rudolf Reust
Künstler/in Wilhelm Sasnal
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