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Editorial
9.2013





  
TITELBILD · Karin Lehmann · Pahoehoe, 2013, Gips, Randensaft, 4 Stück, je ca. 130x71x0,5 cm. Foto: Rudolf Lehmann


Gips. Haben Sie schon mal überlegt, welche Rolle dieser Stoff in unserem Alltag spielt, seit wann er benutzt wird, wo er abgebaut und wie er verarbeitet wird? Dazu nur ein Detail: Gips ist wohl einer der meistverwendeten Rohstoffe der Welt und dennoch wurde um diesen noch nie Krieg geführt. Er ist so reichlich vorhanden, dass er es sogar zu einer sprichwörtlichen, machtpolitischen Bedeutungslosigkeit gebracht hat. Ein «Gipskrieg» ist ein Krieg um nichts.
Werthaltig ist das Material also nicht, aus dem die junge Künstlerin Karin Lehmann ihre neusten Skulpturen fertigt. Doch um was geht es bei den merkwürdig sperrigen Artefakten, mit denen sie zurzeit das Pasquart in Biel bevölkert? Hinweise bieten die Titel, die mächtige Zunge auf unserer Titelseite nannte sie beispielsweise ‹Pahoehoe›, offenbar «ein geologischer Fachausdruck für Stricklava, hawaiianisch notabene, Lava, die im ausgekühlten Zustand eine glatte Oberfläche hat.» Die Glutränder färbte sie mit Randensaft und analog zum geologischen Vorbild - wenn auch weniger dramatisch - wird die rote Spitze im Laufe der Zeit verblassen.
Lehmann macht Gestaltungsvorgänge deutlich, indem sie rudimentäre Materialien wie Gips, Styropor und Glas elementaren Einflüssen wie Wasser, Licht und Feuer aussetzt. Es braucht schon in Gips getränkte, erstarrte Socken oder Tücher, um unseren Blick auf so omnipräsente wie unsichtbare gestalterische Faktoren zu richten. Dabei wird die enge Grenze zwischen Schaffen und Zerstören sichtbar, oder wie sie dies für die Arbeit ‹West Silvertown› formuliert: «Es klingt nach einer Geisterstadt im Wilden Westen, den Titel habe ich der Arbeit gegeben, da die Wände zwischen Konstruktion und Ruine oszillieren.» Und sind Teil einer Welt der schwingenden Möglichkeiten, die aus Staub und Wasser entsteht. Claudia Jolles



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Ausgabe 9  2013
Künstler/in Karin Lehmann
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