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Besprechung
9.2013


Esther Banz :  Zorten ist ein heute unselbständiges, winziges Bauerndorf im Kanton Graubünden, Z(orten) ein Projekt des 32-jährigen Künstlers Toni Parpan: Den ganzen Sommer über teilt er den von der Grossmutter geerbten Stall im Dorfkern mit anderen kreativen Geistern und sehr eigensinnige Projekte entstehen.


Zorten : Toni Parpan - und 39 Künstler/innen in Z(orten)


  
links: Manuel Kämpfer/Giuseppe Persampieri · Brunnen-Installation mit 23 Blumenkisten, 17.7.2013
rechts: Toni Parpan · Innenansicht des Stalls, 2013. Fotos: Manuel Kämpfer


An den Abenden wird es manchmal laut. Dann mahnt Toni Parpan die munter Diskutierenden, dass jetzt Zeit sei, sich nach innen zu verschieben, am besten in die Küche - neben einer Schlafkammer der einzige Raum im grossen Stall, der richtige Wände hat. Seit 2010 lädt er im Sommer Künstler/innen ins fast vergessene, auf 1240 Metern gelegene Dorf ein. Er wünscht sich, dass etwas entsteht, im Dorf, fürs Dorf. Parpan ist in Valbella aufgewachsen und hat im Unterland Kunst studiert. Den von der Grossmutter geerbten Doppelstall baute er eigenhändig zu einem Gesamtkunstwerk um - zu einem eigensinnig wie liebevoll gestalteten Haus (fast) ohne feste Wände, mit labyrinthartigen Ebenen und Nutzflächen. Und weshalb den Sommer alleine dort werken und wirken - gemeinsam ist es spannender. Also schlüpft er in die Rolle des Gastgebers, Organisators und Kurators. Seine Gäste sollen das Dorf nutzen und dem Dorf nützen, sie sollen den Ort und seine Menschen irgendwie in ihre Arbeit einbeziehen - und das Dorf profitiert durch das Leben, die Internationalität, die Neugierde, den Humor und die guten Ideen, welche die Künstler/innen mitbringen.
Sie kommen gern aus dem Unterland ins abgelegene Dorf hinauf. In diesem Jahr sind es einige für Zorten bekannte Gesichter - Marianne Oppliger, Sophie Hofer, Myriam Gämperli, Manuel Kämpfer - und neu sind u.a. Haus am Gern und Michael Kühni dabei. Insgesamt 39 Personen reisen an, verteilt auf zwanzig Wochen. Parpan selbst baut einfache Sitzbänke aus Holz, die sich unauffällig an die Wände der umliegenden Häuser lehnen. Vielleicht ergeben sich damit im Dorf, das keinen Laden, kein Restaurant, ja ausser der Kirche keinen Begegnungsort mehr hat, neue Orte des Innehaltens und des Austauschs. Marianne Oppliger und Sophie Hofer bauen ein Iglu aus Heu, unten am Hang. Mit ihren poetisch-grotesken Ideen haben sie bereits vor zwei Jahren Einheimische und Besucher/innen verzückt: Sophie Hofer mit einer weissen Heuballe, die sie problemlos den Hügel hochrollte und die schliesslich gen Himmel verschwand; beide zusammen mit neu geborenen Bergen, die sie zur Beobachtung aussetzten. Manuel Kämpfer verziert seit Tagen den Dorfbrunnen, mit den immer gleichen 23 Eternit-Blumenkästen, die er im leerstehenden Nachbarhaus gefunden hat. Jeden Tag ordnet er die Töpfe anders, ein Junge aus dem Dorf hilft ihm dabei, und begeistert erzählt eine ältere Frau, wie sie den Brunnen jetzt Tag für Tag fotografiert. Zur Finissage werden alle Arbeiten im Dorf präsentiert.

Bis: 08.09.2013



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Ausgabe 9  2013
Ausstellungen Toni Parpan und 39 Künstler/innen [06.08.13-08.09.13]
Institutionen Kunstprojekte Z(orten) [Vaz/Obervaz/Schweiz]
Autor/in Esther Banz
Künstler/in Marianne Oppliger
Künstler/in Sophie Hofer
Künstler/in Manuel Kämpfer
Künstler/in Haus am Gern
Künstler/in Myriam Gämperli
Künstler/in Michael Kühni
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