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Besprechung
9.2013


Markus Stegmann :  Unter dem vieldeutigen Begriff ‹Revolution› setzt eine Ausstellung im Kunstmuseum Luzern Werke von John Chamberlain, Ida Ekblad und Christine Streuli zueinander in Beziehung. Nicht politisch-gesellschaftliche Aspekte stehen im Zentrum, sondern Energien des Irrationalen.


Luzern : John Chamberlain, Ida Ekblad, Christine Streuli - Revolution


  
Ida Ekblad · The Gold Bug Drift (Christiania), 2009, Installation


Mit ‹Revolution› greift Fanni Fetzer, Kuratorin der Ausstellung, das Jahresthema des Lucerne Festival auf. Angesichts der Vielschichtigkeit des Begriffs ein mutiges Unterfangen, seiner historischen und tagespolitischen Tragweite - denkt man an die aktuellen Ereignisse im arabischen Raum - mit nur drei künstlerischen Positionen zu entsprechen. Doch schnell wird klar, dass es hier nicht um die politische Dimension, sondern um ein kunstimmanentes Verständnis von Revolution geht. Es sind die rohen Energien der Kompressionen von John Chamberlain (1927-2011), die überbordenden Farbströme der Malerei von Christine Streuli (*1975) und die irrationalen Verschränkungen stilllebenartiger Objekte der norwegischen Künstlerin Ida Ekblad (*1980), die den Begriff des Revolutionären im Kunstkontext ausloten und die zu den Wurzeln künstlerischer Genese vordringen. Indem sich bei Ekblad und Streuli unterschiedliche verwandtschaftliche Bezüge zu Chamberlain zeigen, erweitert sich das Thema um eine historische Perspektive. Das Ausstellungskonzept fängt die manchmal im luftleeren Raum hermetisch schwebenden, zeitgenössischen Phänomene ein und legt gemeinsame Impulse über Epochen und Generationen hinweg frei.
Neben diesem geglückten kuratorischen Ansatz hat die Ausstellung allerdings dort gewisse Schwächen, wo einzelne Werke sich in den überaus hohen Räumen verlieren oder die erwartete archaische Energie nicht recht auffindbar ist. Bei Ekblad sind es ihre Bilder, die einem konservativen Duktus folgen und somit gegenüber Streulis Malerei abfallen. Bei Chamberlain lässt das Grössenverhältnis zwischen Objekt und Raum einige der Arbeiten visuell ‹schrumpfen›, weshalb sie ein Stück ihrer Kraft verlieren, domestiziert erscheinen und Gefahr laufen, sich zur formalen Dekoration der Räume zu gruppieren. Doch andere Arbeiten stehen dem entgegen, beispielsweise die aus hundert kleinformatigen Bildern bestehende, kaleidoskopartig funkelnde Installation ‹Impulse› von Streuli, die mit einer bezaubernden Leuchtkraft vor dunkler Wand enzyklopädische Eigenschaften entwickelt. Oder die fünfteilige Objektarbeit ‹The Gold Bug Drift (Christiania)› von Ekblad, die erfrischend hilflos und kindlich gebastelt wirkende Gebilde aus Materialien rund um die Freistadt Christiania in Kopenhagen zum überzeugenden stilllebenartigen Memento mori unserer Zivilisation erhebt.

Bis: 13.10.2013



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Ausgabe 9  2013
Ausstellungen John Chamberlain, Ida Ekblad, Christine Streuli [06.07.13-13.10.13]
Institutionen Kunstmuseum Luzern [Luzern/Schweiz]
Autor/in Markus Stegmann
Künstler/in John Chamberlain
Künstler/in Ida Ekblad
Künstler/in Christine Streuli
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