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9.2013




Delme : Susan Hiller


von: J. Emil Sennewald

  
Susan Hiller · Channels, 2013, Ausstellungsansicht Centre d'art contemporain la synagogue de Delme, Courtesy Timothy Taylor Gallery und Matt's Gallery, London. Foto: OHDancy


Bei einem Besuch des Centre Pompidou Metz sollte man einen Ausflug in den nahen Weiler Delme einplanen. Neben den landschaftlichen Reizen Lothringens lohnt das in einer ehemaligen Synagoge untergebrachte Kunstzentrum den Weg: Hier flimmert die jüngste Videoskulptur der seit 1969 in London lebenden Grande Dame spiritueller und sozialer Zwischenwelten, Susan Hiller (*1940, Cleveland, Ohio). Ursprünglich wollte die Künstlerin ihr ‹J. Street Project› zeigen, eine Sammlung deutscher Strassennamen mit dem Wort Jude, doch: «Das erschien uns zu illustrativ auf den Ort bezogen», so Direktorin Marie Cozette, «also waren wir froh, eine französische Version von ‹Channels› herstellen zu können.»
Es braucht Zeit, um die ganze Wirkung zu erfahren. Ideal: In Delme gibt es sonst nichts zu tun. In der Synagoge steht eine Wand aus rund hundert gebrauchten Röhrenfernsehern wie eine Urnenwand. Blaues Leuchten, Rauschen und elektrisches Widerstandsbrummen erfüllen den Raum. Dann eine Stimme: «Ich schwebte über der Unfallstelle und beobachtete, wie der Arzt versuchte, mich wieder zu beleben» - Bericht einer Nahtoderfahrung. Eine weitere mischt sich dazu, andere, in anderen Sprachen, auf manchen Bildschirmen erscheint grün eine Oszillationskurve, die den Sprachverlauf darstellt. Besser hat man selten den «Geist in der Maschine» dargestellt - fast unheimlich wird es nach einiger Zeit, als trete man selbst in jene hellen Kammern, Tunnel oder Lichterscheinungen, die mit den körperlosen Stimmen ein mögliches Jenseits andeuten.
«Ich interessiere mich für die spektrale Dimension, fürs Befremdliche und an jenen dunklen Teil, der von aufgezeichneten Stimmen ausgeht, weil man nicht mehr sagen kann, ob sie von Menschen stammen, die seit langer Zeit verstorben sind», erklärt die 73-jährige Künstlerin. Die Installation ‹Channels› macht den unstillbaren Wunsch erfahrbar, durchs Medium mit der anderen Seite kommunizieren zu können. Mehr noch: Sie vermittelt den Tod als zentrales Sujet moderner Medien.

Bis: 29.09.2013



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Ausgabe 9  2013
Ausstellungen Susan Hiller [12.06.13-29.09.13]
Institutionen Centre d'art contemporain [Delme/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
Künstler/in Susan Hiller
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