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9.2013




Düsseldorf : Leben mit Pop


von: Katja Behrens

  
links: Gerhard Richter · Party, 1963 ©Atelier Gerhard Richter
rechts: Reiner Ruthenbeck · Aussenansicht des ­Möbelhauses Berges, Flingerstrasse 11, ­Düsseldorf, Archiv Reiner Ruthenbeck, ­Ratingen ©ProLitteris


«Alles Quatsch um uns herum», fand der junge Gerhard Richter in jugendlicher Überheblichkeit. Damals, Anfang der Sechzigerjahre, hatte das allgemeine Unbehagen an der Kunst und am Konzept Museum einen Höhepunkt erreicht. Und auch in Düsseldorf wurde der Ausstieg aus dem bislang gültigen Kanon von Kunst, Ausstellungspolitik und Kunstmarkt geprobt: Gerhard Richter, Sigmar Polke, Konrad Lueg und Manfred Kuttner, allesamt Studenten der Kunstakademie, hatten sich entschlossen, selbst initiativ zu werden. Am 11. 5. 1963 veranstalteten sie in einem alten Ladenlokal in der Stadt eine Aktion, die in die Kunstgeschichte eingehen und alsbald in mehreren Ausstellungen in Wuppertal, Hannover, Berlin ihre Fortsetzung finden sollte. ‹Demonstrative Ausstellung› hiess die erste Schau, ‹Leben mit Pop - Demonstration für den Kapitalistischen Realismus› die nächste. Was allerdings genau damit gemeint war, blieb schon damals der Kreativität der Besuchenden überlassen. So fragen fünfzig Jahre später die Kurator/innen der Re-Inszenierung zu Recht nach den Motiven hinter dem Label Kapitalistischer Realismus: «Ironie? Vermarktungsstrategie? Kunstrichtung? Gesellschaftskritik? War es Fluxus?»
Eine Antwort gibt die dokumentarisch sorgfältige Aufbereitung der damaligen Ereignisse jetzt auf ungewöhnliche Weise. Sie lässt jene kunstvolle Zeit ganz ohne Originale wieder aufleben. Deutlich erkennt man die Fluxus-Attitüden hinter den Aktionen, die damals in einem Möbelhaus, in der Wuppertaler Galerie Parnass oder dann bei René Block in Berlin stattfanden.
Natürlich fehlt in der Ausstellung heute die Stimmung von damals - bevor man dieses Fehlen allerdings beklagen kann, hat man sich längst in all den wunderbaren Kopien, den alten Fotos und Erinnerungen verloren. Das heroische Einzelwerk hatte vorerst ausgedient.
Der weitere Gang der Geschichte ist bekannt: Polke und Richter sind als Künstler höchst erfolgreich geworden, Lueg unter seinem richtigen Namen Konrad Fischer als Top-Galerist ebenso. Einzig Manfred Kuttner - dessen Werk (irgendwo zwischen Bridget Rileys Op Art-Anfängen und Ferdinand Kriwets Text- und Farbbildern) gerade in einer Ausstellung der Neusser Langen Foundation erstmals umfassend gewürdigt wird - verabschiedete sich 1964 von der Kunst. Er musste Geld verdienen. Die kapitalistische Realität hatte ihn eingeholt.

Bis: 29.09.2013



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Ausgabe 9  2013
Ausstellungen Leben mit Pop [21.07.13-29.09.13]
Institutionen Kunsthalle Düsseldorf [Düsseldorf/Deutschland]
Autor/in Katja Behrens
Künstler/in Gerhard Richter
Künstler/in Sigmar Polke
Künstler/in Konrad Lueg
Künstler/in Manfred Kuttner
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