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Hinweis
9.2013




Mainz : Thomas Schütte/Danh Vo


von: Grit Weber

  
links: Thomas Schütte · Vater Staat, 2011, Stahl, Courtesy Konrad Fischer Galerie ©ProLitteris. Foto: Achim Kukulies
rechts: Danh Vo · We The People (detail), 2011-13, Courtesy Chantal Crousel Gallery, Paris. Foto: Danh Vo


Wir sehen ihn erst von hinten: Gross, geisterhaft, jedoch keineswegs repräsentativ im hergebrachten Sinn, beginnt die Ausstellung mit der Rückenansicht des ‹Vater Staat›, den der Bildhauer Thomas Schütte (*1954, Oldenburg) 2011 aus Stahl giessen liess. Arbeiten wir uns herum um diese tonnenschwere Skulptur, blicken wir in ein empathieloses Gesicht, das von oben herab schaut. Und trotz des vermeintlichen Realismus kommt sofort die Frage auf, wer denn hier nun abgebildet sein mag. Schütte, der sich seit Jahrzehnten mit den klassischen Fragen nach einer dienenden Skulptur, nach Monumentalität und der Balance zwischen dem festgefügten Material und der Ambivalenz in der Interpretation beschäftigt, Schütte also gibt dem Vater ein unnahbares Allgemeingesicht und setzt diesen Kopf auf einen fragilen Körper.
Zusammen mit dem Werk von Danh Vo (*1975, Vietnam), der Fragmente der New Yorker Freiheitsstatue reproduzieren liess und diese wie zu verschiffendes Baumaterial im Raum verteilt, bildet Schüttes Arbeit die zeitgenössische Klammer zu einem vertrackten Thema: Wie lässt sich mittels der Kunst politische Herrschaft ästhetisch untermauern? Schütte und Vo nehmen die Frage dekonstruktivistisch auf. Die Ausstellung hat aber auch einen kulturhistorischen Abschnitt, in dem der Kurator Thomas Trummer drei Beispiele aus einer deutschen Geschichte wieder auferstehen lässt, in der ein politischer Apparat Auftraggeber für ein repräsentatives Kunstwerk war: das ‹Niederwalddenkmal› von Johannes Schilling von 1883, Henry Moors Werk für das Bonner Kanzleramt, aufgestellt 1979, und Eduard Chillidas Werk für das Berliner Kanzleramt von 2000.
Die Schau versammelt eine Vielzahl von wei­te­ren Bezügen, ohne deren Deutung schon vorwegzunehmen. Das kann durch­aus gelingen, wenn der Rezipient einiges an kritisch-politischem Bewusstsein mitbringt, bleibt aber andererseits doch zu offen, um eine klare Aussage über die tatsächliche Verschränkung zwischen künstlerischem Werk und politischem Betrieb herauszuziehen. Assoziationen gibt es in dieser Präsentation reichlich, doch fehlt die analytische Tiefe.

Bis: 06.10.2013



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Ausgabe 9  2013
Ausstellungen Thomas Schütte, Danh Vô [05.07.13-06.10.13]
Institutionen Kunsthalle Mainz [Mainz/Deutschland]
Autor/in Grit Weber
Künstler/in Thomas Schütte
Künstler/in Danh Vô
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