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9.2013




Paris/Vitry-sur-Seine : Ange Leccia im MAC/VAL


von: J. Emil Sennewald

  
Ange Leccia · Logical Song, 2013, Ausstellungsansicht MACVAL ©ProLitteris, Courtesy Galerie Almine Rech. Foto: Marc Domage


MAC/VAL, das grosse Museum im kleinen Vorort von Paris, mit einer 2000 Werke reichen Sammlung als einziges in Frankreich ausschliesslich Kunst seit den Fünfzigern gewidmet, ist sehenswert. Wie manch anderer - Claude Lévêque, Christian Boltanski - entgeht auch Ange Leccia dem räumlichen Imperativ des auf Grossformatiges angelegten, 2005 eröffneten Hauses nicht. Allerdings mit Eleganz: Ein «Video Arrangement» von 6 wandgross projizierten Filmen strukturiert den Saal. ‹Logical Song›, unterlegt mit dem gleichnamigen Welt-Hit von Supertramp aus dem Jahr 1979, entführt in Leccias Bildwelten in überwältigende Close-ups, Slow Motion, Farbkompositionen.
Berühmter Vertreter der von Godard geprägten Schule von Grenoble, gelingt ihm oft die Sondierung des Mythengehalts im Filmbild, so im Fall von ‹Nymphéa›, 2009 bereits auf einen Kanal in Nantes projiziert. Die in der Badewanne untertauchende Laetitia Casta wird durch verlangsamte Bewegungen zum Mythenwesen, blickt aus dem Video wie aus einer Zauberwelt.
Im MAC/VAL ist sie Teil einer Video-Oper: Explosionen und Soldaten wechseln sich mit elfenhaften Jugendlichen ab, die melancholisch Karaoke singen: «When I was young, it seemed that life was so wonderful, a miracle, it was beautiful, magical...» Visuell und ästhetisch perfekt, wird der 32-minütige Reigen inhaltlich rasch problematisch: Wer sind die Frauen? Warum sind es nur hübsche, junge? Ist das ganze nicht «cynical», wie es der Song bedauert? Ein unsichtbarer Pan benutzt die Mädchen, betrauert mit ihren verlockenden Posen das eigene Altern.
Weniger pathetisch als Bill Viola nähert sich Leccia dessen Mythenschwere im Stil eines Musikvideos. Heute, nach Positionen wie Pipilotti Rist oder Turner-Preis-Gewinnerin Elizabeth Price, erwartet man von Faszination und Entrückung mehr: Problematisierung und Begegnung.

Bis: 22.09.2013



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Ausgabe 9  2013
Autor/in J. Emil Sennewald
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