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Fokus
10.2013


 Vor einem Jahr kehrte David Hickey, einer der relevantesten Kunstkritiker Amerikas, dem Kunstbetrieb den Rücken. Er verglich diesen mit den Salons im 19. Jahrhundert, gegen welche die Impressionisten rebellierten. Dass man sich dem Kunstbetrieb auch auf ganz andere Art entziehen kann, zeigt ein Projekt wie workingVOICES in Bogotá.


workingVOICES - In der Peripherie


von: Caridad Bottela

  
Betty Selene und Georg Keller · Save Ground, 2013, Mixed Media. Keller liess Ersatzdeckel für fünf in Bogota gestohlene Gullydeckel bei einem Alteisenhändler zuschneiden, die dann von Selene bemalt wurden. Die Bilder wurden im Museum gezeigt und anschliessend in den Strassen verteilt.


workingVOICES symbolisiert den Maschinenraum der zeitgenössischen Kunst, es steht für den Ort, wo die Vermittlung des eigenen Kontexts und das gegenseitige Verständnis die Tauschwährung sind, die ein Projekt zu einem Erfolg oder Misserfolg machen. Ohne zu wissen, auf was er sich einliess, lud der freie Kurator Harm Lux 13 europäische und südamerikanische Kunstschaffende - darunter die Schweizer San Keller und Georg Keller - zu Workshops und einer Zusammenarbeit mit lokalen Künstlern in Minuto de Dios ein, einem peripheren Vorort von Bogotá.
Anhand einer Reihe von Themen, welche auf die persönliche Freiheit, die Ökologie des Körpers oder wechselnde soziale Rituale fokussierten, führten lokale und interna­tionale Teilnehmer/innen Dialoge, die auch im Rahmen von akademischen Programmen recherchiert wurden. Vom ersten «barrio-walk» und Workshop Ende Februar bis zur Realisierung der abschliessenden Ausstellung Ende Juni fanden zahlreiche Treffen statt, im Rahmen derer geklärt wurde, wer wer war und wie man zusammenarbeiten und ein gemeinsames Projekt - häufig Performances - realisieren könne. So inszenierten die Niederländerin Anna Hoetjes und der Kolumbianer Walter Leonardo Moreno mit einer lokalen Gruppe das Reenactment einer selbstgeschriebenen «narco-novela», um auf das Fehlen solcher Programme in ihrem Leben hinzuweisen, während Betram Haudes im Rahmen seines Projekts ‹Where the streets have no name› mit Lorena Luengas und Ivan Cano sowie einer lokalen Community relevante Namen für Strassen suchte. Der finalen Ausstellung gingen so Monate eines langsamen Vorbereitungsprozesses voraus und der stete Dialog zwischen den lokalen und internationalen Kunstschaffenden liess dabei die Stärken und oft auch die Schwächen des Projekts deutlich werden. Entscheidend war, dass für einmal das kulturelle Rampenlicht der Stadt vom Zentrum auf die Peripherie, auf Minuto de Dios, gerichtet wurde. Eine Schwäche war die Dominanz der internationalen Kunstschaffenden.
Abschliessend lässt sich sagen, dass das Projekt mehr Fragen aufwarf als beantwortete - und deutlich machte, dass solche Projekte eine Kontinuität haben sollten. 2014 wird Harm Lux daran anknüpfen und unter dem Thema ‹Recycling und Nachhaltigkeit als künstlerische Verantwortung› Kunstschaffende und andere kulturelle Autodidakten von São Paolo und Berlin zusammenbringen.
Caridad Botella (*1977, Madrid) lebt in Bogotá, ist Kunsthistorikerin, unabhängige Kuratorin, Ko-Direktorin des Espacio SKLN Bogotá und unterrichtet zu Handy-Film und Neuen Medien. caridadbotella@gmail.com



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Ausgabe 10  2013
Autor/in Caridad Bottela
Künstler/in Georg Keller
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