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Hinweis
10.2013




Frankfurt/M : Hélio Oiticica


von: Grit Weber

  
links: Hélio Oiticica · Luiz Fernando Guimarães trägt Parangolé P30 capa 23 m'way ke, 1965/New York, 1972
rechts: Hélio Oiticica · Tropicália with Penetráveis PN2 and PN3, 1967, Installationsansicht Museu é o mundo at Museu Histórico do Estado do Pará, 2011. Foto: César Oiticica Filho


Hélio Oiticicas (1937/1980, Rio de Janeiro) Kunst ist auch dreissig Jahre nach seinem Tod eine Entdeckung. Indem er die Farbe vom Trägermaterial löste, sie in räumliche Strukturen übersetzte, vor allem aber indem er das Publikum am Werk partizipieren liess, nahm der Brasilianer so manch europäische Kunstentwicklung der Siebzigerjahre vorweg. Spätestens seit seine Arbeit zusammen mit der von Lygia Clark auf der documenta 1997 gezeigt wurde, sollte man meinen, sei Oiticica in Europa allgemein bekannt, und umso verwunderter stellt man fest, dass es noch keine umfassende Ausstellung im deutschsprachigen Raum gegeben hat. Das Museum für Moderne Kunst zeigt nun eine grosse Retrospektive, in der die Entwicklung Oiticicas schrittweise nachverfolgt werden kann und gleichzeitig die Frage nach der Aktualität der Werke fürs heutige Geschehen gestellt wird.
Oiticica kam früh in Kontakt mit der legendären ‹Grupo Frente›, arbeitete zunächst an monochromen Farbtafeln und Reliefs, die er beidseitig mit warmen Rot-, Gelb- und Brauntönen bemalte und schliesslich losgelöst von der Wand und inmitten des Raums platzierte. Zu diesen ‹Spatial Reliefs› kamen ab 1960 die ‹Penetráveis›, hüttenartige Installationen aus zu Räumen gefügten Farbwänden, die man wie ein Labyrinth betreten kann. Ab 1963 entwickelte Oiticica kleine Boxen, die diverse Gegenstände enthalten, welche das Publikum selbständig herausnehmen und betrachten kann. Diese ‹Bolides› zeigen deutlich das Interesse des Künstlers an der Interaktion mit dem Publikum. Darin und im erwähnten freien Umgang mit der Farbe erkennen wir den Kern seiner Kunstauffassung, die er fortan konsequent fortführt. Sehr bekannt sind seine ‹Parangolés›, Leinwände oder Plastikplanen in leuchtenden Farben, die das Publikum am Körper tragen kann. Die berühmteste Arbeit jedoch ist die Installation ‹Tropicalia› von 1965/67 - ein Environment aus mehreren ‹Penetráveis›, zudem einem Sandboden, Steinen, Pflanzen und lebenden Papageien - deren Titel sehr bald einer ganzen kulturpolitischen Bewegung in Brasilien den Namen gab und die Literatur, Musik und Bildende Kunst erfasste. Ab 1973 unterlässt Oiticica dann die materielle Ausführung seiner Ideen weitestgehend, schreibt aber sehr viel und hinterlässt zahlreiche künstlerische Konzepte, die mal als Ideenskizzen, mal als ausformulierte Vorgaben existieren. Ergänzend zur Ausstellung hat das MMK die Übersetzung aller wichtigen Texte von Oiticica in Auftrag gegeben und realisiert drei begehbare Installationen im Aussenbereich des Frankfurter Palmengartens, die mit Performances, Tanz oder Sound bespielt werden.

Bis: 12.01.2014



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Ausgabe 10  2013
Ausstellungen Hélio Oiticica [28.09.13-12.01.14]
Institutionen MMK Museum für Moderne Kunst [Frankfurt/M/Deutschland]
Autor/in Grit Weber
Künstler/in Hélio Oiticica
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