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10.2013




Frankfurt/M : Future Perfect


von: Verena Kuni

  
links: Antje Majewski · The Donation (2024), 2009 ©ProLitteris, Courtesy neugerriemschneider, Berlin. Foto: Jens Ziehe
rechts: Armin Linke · Alpi, 2011, WEF World Economic Forum, Davos, 2006, Soldaten bauen den Stacheldraht ab, Videostill


Eine Gesellschaft in bunten Gewändern, in deren Mitte eine Frau einem Mann mit feierlicher Geste ein Objekt überreicht. Der in frischen Gelb- und Grüntönen leuchtenden Sphäre gilt die Aufmerksamkeit der Gruppe. Schliesslich geht es um nichts Geringeres als die Zukunft der Kunst. Das grossformatige Gemälde - ‹The Donation (2024)›, 2009 - steht im Zentrum einer Werkgruppe von Antje Majewski, die nach dem geheimnisvollen gelbgrünen Objekt benannt ist, von dem auch ein begleitender Text der Künstlerin erzählt: ‹The Entity›. Das Kunstwerk als organische Lebensform, die sich ihrer politischen Funktionalisierung ebenso wie ihrer kultischen Verehrung entzieht. Diesen Gedanken ins Format der Science-Fiction zu kleiden, ist mehr als ein kluger Kunstgriff: Seit je ist die eigentliche Stärke der Gattung, im Gewand von Zukunftsutopien und -dystopien von der Gegenwart zu handeln - und von den Konsequenzen, die unsere heutigen Entscheidungen für unsere Zukunft haben könnten.
Genau dies meint auch der Titel der Gruppenschau, die Angelika Stepken und Philipp Ziegler für das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) entwickelt haben und die im Anschluss an die Premiere im Frankfurter Kunstverein auf Tournee gehen soll. Die Schau will einen Einblick in die in jüngerer Zeit in Deutschland entstandene Kunst bieten und gleichzeitig die Gegenwart als Zeit der Entscheidung ins Blickfeld rücken: Welche Kunst wollen wir einmal geschaffen, gesehen und anerkannt haben?
Das Bewusstsein, dass diese Frage eminent politisch ist, eint die 15 in der Ausstellung vertretenen Künstler/innen und -gruppen. Nasan Turs ‹Backpacks›, 2006-2013 - Rucksäcke zum Mitnehmen, die komplette Ausstattungen für unterschiedliche Aktivitäten im öffentlichen Raum enthalten, in Frankfurt in einer «Demo Kits Deluxe»-Version gleich Fetischen als Wandobjekte präsentiert -, gehören hierzu ebenso wie Clemens von Wedemeyers Film ‹Die Probe›, 2008, der einen gerade gewählten Politiker beobachtet, der backstage bereits seinen Abschied von der Politik zu proben scheint, oder Danh Vos als post-minimalistisches Zitat maskierte Fragmente der Freiheitsstatue, ‹We The People (detail)›, 2011-2013.
Wie eng kadriert wir uns den eigenen Handlungsraum gerade aufgrund höchst vergänglicher Zukunftsprojektionen eingerichtet haben, zeigt mit schmerzlicher Klarheit Armin Linkes Schweiz-Film ‹Alpi›. Seine Bilder vom Hier und Jetzt geben zu verstehen, dass der globale «Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit» (Alexander Kluge) in seiner Gewaltsamkeit nur gebrochen werden kann, wenn man sich ihrer Überlagerung durch vergangene Zukünfte bewusst wird. Erst die Erkenntnis ermöglicht die Freiheit der Entscheidung. Das gilt natürlich auch für die Kunst.

Bis: 13.10.2013



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Ausgabe 10  2013
Ausstellungen Futur Perfekt. Vollendete Zukunft [23.08.13-13.10.13]
Institutionen Frankfurter Kunstverein [Frankfurt/M/Deutschland]
Autor/in Verena Kuni
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