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10.2013




Luzern : Die Sammlung Toni Gerber


von: Gabriel Flückiger

  
Michael Buthe · Brief aus Köln an Toni Gerber, Februar 1977, Filzstift, Stempel, Goldstift und Collage auf Papier, 62,5x45 cm, Kunstmuseum Luzern, Schenkung Sammlung T


Zwei Tische: Durch einen dringen Neonlichter, auf dem anderen wächst eine Grasfläche. In der Sammlung des Kunstmuseums Luzern findet sich das Werk, welches - wenn man den Ausführungen Harald Szeemanns Glauben schenkt - Initialzündung für dessen legendäre Ausstellung ‹When attitudes become form›, 1969, in der Kunsthalle Bern war. Der junge Holländer Jan Dibbets goss gerade seinen Grastisch, als Szeemann zu Besuch kam. Die Geste des Bewässerns beeindruckte den Kurator nachhaltig und bewog ihn zur Planung der Attitüden-Ausstellung. Offene, prozessorientierte Präsentationen, immaterielle Werkzustände; die Kunsthalle sollte zum Labor werden.
Das Kunstmuseum Luzern verfügt heute - dank Jean-Christoph Ammann - über diesen und weitere Schätze der damaligen Zeit. Ammann, ehemaliger Assistent von Szeemann, brachte die Aufbruchs- und Erneuerungsstimmung als Museumsdirektor zwischen 1968 und 1977 nach Luzern und konzipierte Ausstellungen mit Werken von Joseph Beuys, Giuseppe Penone oder Ben Vautier. Grund genug für den Jahresschwerpunkt 1970, in dessen Rahmen das Haus unterschiedliche Ausschnitte und Variationen aus den eigenen Beständen zeigt.
Für die aktuelle, von Eveline Suter gastkuratierte Ausstellung werden nun die Werkbestände einer ebenfalls prägenden Figur ins Zentrum gerückt: Toni Gerbers Sammlung. Der Berner Galerist und Gymnasiallehrer - mit den zwei anderen auch als «gerber-szeemann-ammann-mafia» verschrien - war mit seinen Künstlern freundschaftlich verbandelt und setzte sich für sie ein; weniger im Denken um das Avantgardistische, vielmehr in der Faszination für eigenwillige Künstlertypen. Dass er für und mit der Kunst lebte, wussten nicht nur jene, die bei ihm in seiner Wohngalerie an der Gerechtigkeitsgasse einkehrten. Die Sammlung wurde für Gerber ein Abbild seines eigenen Lebens und auch als er Werkgruppen von Markus Raetz, Jean-Frédéric Schnyder oder James Lee Byars bereits dem Berner, später dem Luzerner, Aargauer sowie Solothurner Museum schenkte, erstand er laufend neue Werke von jüngeren Kunstschaffenden.
Zusätzlich zur Ausstellung erscheint ein einsichtsvoller Band mit Briefwechseln zwischen Gerber und dem Künstler Michael Buthe. Denn waren in der Optik von Jean-Christoph Ammann Mitte der Siebzigerjahre die historischen Avantgarden zu einem Ende gekommen, blieb Gerbers Glaube unbeirrt - oder wie er Buthe schrieb: «Ihr seid für mich die Gegenwelt.

Bis: 17.11.2013


mit Publikation ‹Michael Buthe - Toni Gerber/Briefe



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Ausgabe 10  2013
Ausstellungen Neunzehnhundertsiebzig. Die Sammlung Toni Gerber [10.08.13-17.11.13]
Institutionen Kunstmuseum Luzern [Luzern/Schweiz]
Autor/in Gabriel Flückiger
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