Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
10.2013




Winterthur : Anton Graff


von: Lucia Angela Cavegn

  
links: Anton Graff · Friedrich II. von Preussen, 1781/86, Öl auf Leinwand, 69x57 cm. Foto: SIK
rechts: Andy Warhol · Friedrich der Grosse, 1986, 214x 183 cm, Acryl auf Leinwand. Foto: S. Hasenböhler


Anton Graff wurde 1736 als Sohn eines Zinngiessers in Winterthur geboren und starb 1813 in Dresden als international gefeierter Maler. Das Museum Oskar Reinhart würdigt den Künstler anlässlich seines 200. Todestags mit einer umfassenden Retrospektive und einem opulenten, wissenschaftlich fundierten und reich bebilderten Katalog.
Obwohl Graff als bester Porträtist seiner Zeit galt und unzählige Bildnisse von Geistesgrös-sen der deutschen Aufklärung schuf, geriet er - zu Unrecht - in Vergessenheit. Gelehrte wie Moses Mendelssohn und Johann Gottfried Herder, Literaten und Künstler wie Goethe, Schiller, Lessing und Salomon Gessner, aber auch Adlige, bürgerliche Geschäftsleute und gebildete Frauen sassen ihm Modell. Graff wurde 1766 als Lehrer für Porträtmalerei an die Dresdner Akademie berufen und gleichzeitig zum kurfürstlich-sächsischen Hofmaler ernannt. Sein Ruf reichte bald von Zürich bis Wien und von St. Petersburg bis London und Paris, obwohl er die meiste Zeit seines Lebens in Dresden, Leipzig und Berlin tätig war. Als Graff 1813 im Alter von 76 Jahren während der Napoleonischen Freiheitskriege an Typhus starb, hinterliess er rund 2000 Bildnisse. Den Worten seines Schwiegervaters und Philosophen Johann Georg Sulzer zufolge, bestand Graffs Meisterschaft darin, «bis in das Innere der Seele» zu schauen.
Die Ausstellung in Winterthur zeigt rund achtzig Gemälde und Zeichnungen - darunter zahlreiche Leihgaben von ausländischen Museen und aus Privatbesitz - sowie Blätter von Kupferstechern wie Johann Friedrich Bause, der mit seinen Reproduktionen zur Verbreitung von Graffs Werken massgeblich beigetragen hat. Einige der Exponate werden erstmals ausgestellt wie beispielsweise das von Marc Fehlmann, Direktor des Oskar Reinhard Museum, wiederentdeckte Porträt von Lord Elgin (1788), der 1802 als Botschafter im Osmanischen Reich antike Skulpturen der Athener Akropolis nach England abtransportieren liess, sowie das originale Bildnis von Friedrich dem Grossen aus fürstlichem Besitz. Die zeitlose künstlerische Qualität dieses Porträts wusste schon Andy Warhol zu schätzen, als er es für eines seiner Silkscreen-Paintings adaptierte. Die Retrospektive bietet damit eine längst überfällige Neubewertung von Graffs Werk und zeigt einen gut vernetzten Künstler an der Schwelle zur Moderne. Die Schau wird anschliessend in der Nationalgalerie Berlin gezeigt.

Bis: 29.09.2013



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 10  2013
Ausstellungen Anton Graff [22.06.13-29.09.13]
Institutionen Museum Oskar Reinhart [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Lucia Angela Cavegn
Künstler/in Anton Graff
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=1309180950388NL-24
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.