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Besprechung
11.2013


Beate Engel :  Vor kurzem bespritzte er noch nackte Models mit Farbe oder liess bunte Bomben explodieren. Seine aktuelle Ausstellung ‹The Grid› im Berner Zentrum Paul Klee begann mit einer riesigen leeren Leinwand. Und mit der Aufforderung ans Publikum, auf die davor platzierten Farbbecher zu zielen.


Bern : Olaf Breuning - Malen mit Ball


  
Olaf Breuning · The Grid, 2013, Ausstellungsansicht, Zentrum Paul Klee, Bern


«Ich wünschte, ich wäre ein guter Maler. Aber ich kann nicht acht Stunden vor der Leinwand sitzen», so Olaf Breuning im Publikumsgespräch. Dennoch oder gerade deshalb ist er einer der wenigen Schweizer Künstler, der es geschafft hat, sich nach einem Atelieraufenthalt in New York auch dort zu etablieren. Bekannt wurde er mit minutiös inszenierten Foto-Tableaus, die Abgründe zwischen Kettenmassakerspielen und luxuriösem Freizeitkult eröffnen. Seit einiger Zeit huldigt er dem aktuellen Farbhype und alten Meistern der abstrakten Kunst, indem er zum Beispiel Motive von Miró, Mondrian oder Kandinsky auf nackte Körper überträgt. Breuning ist der zweite zeitgenössische Schweizer Künstler nach Rémy Zaugg, dem das Zentrum Paul Klee eine Einzelausstellung ermöglicht. Die von Fabienne Eggelhöfer kuratierte Schau scheint ein Signal dafür zu sein, dass sich die Institution unter der Leitung von Peter Fischer in Zukunft auch jüngeren Exponenten der Gegenwartskunst öffnen möchte.
Breuning hat auf einen direkten Bezug zu Klee verzichtet und den Ball dem Publikum übergeben. Ein zwanzig Meter langes Gerüst füllt die weisse Stirnwand des unterirdischen Saals, was zunächst wunderbar minimalistisch aussieht und an die Schweizer Tradition der Konstruktiven erinnert. Doch auf den Tablaren hat der Künstler fast tausend mit verschiedenen Farben gefüllte Becher platziert, die auf die richtigen Treffer warten. Entstehen soll ein monumentales Kollektivgemälde, dessen Produktion per Überwachungskamera auf das Internet übertragen wird.
An einem VIP Preview der Mobiliar Versicherung, die als Hauptsponsor der Ausstellung ihre neue Abteilung für ‹Corporate Social Responsibility› vorstellt, wirft der Künstler als erster. Einige der nächsten Werfer aus dem Publikum jubeln stolz auf, wenn sich die Farbe aus «ihrem Becher» auf der Bildfläche verteilt, andere wundern sich über die Schiessbudeninszenierung und fragen, ob sie hier im ‹Creaviva›, der Kinderabteilung gelandet seien? Was bei den Schiessbildern von Niki de Saint Phalle oder den Drip Paintings von Jackson Pollock noch revolutionär war, hat sich nun in sanktionierten Vandalismus verwandelt. «Kunst darf auch Spass machen», heisst es bei den Eröffnungsreden. Es scheint, als hätte sich der Künstler mit dieser Verballhornung des Kunstbetriebs tatsächlich einen grossen Spass gemacht. Auf gekonnte Art jongliert er hin und her zwischen kindlichem Spieltrieb und kunstgeschichtlicher Determiniertheit.

Bis: 10.11.2013


Performances, 2.11., 14 Uhr und 16 Uhr



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Ausgabe 11  2013
Ausstellungen Olaf Breuning [23.08.13-10.11.13]
Institutionen Zentrum Paul Klee [Bern/Schweiz]
Autor/in Beate Engel
Künstler/in Olaf Breuning
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